Das Internet ist frei. Und auch die Kunst? In jedem Fall auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Dort bietet sich im „Open Space“, einem futuristischen Pavillon im Außenbereich, ein besonderer Anblick: Von oben ergießt sich dort ein sicher 20 Meter breiter Wasserfall aus schmalen Papierbahnen. Kleine Drucker an der Decke spucken permanent neue Informationen aus und lassen die großen Haufen Papier auf dem Boden weiter anwachsen. Dahinter steckt interaktive Internet-Kunst: „Murmur Study“ heißt das Werk von Christopher P. Baker, der damit alle Messebesucher zum Mitmachen aufruft. Über Twitter können sie Nachrichten, also ihre Tweets, senden, die ein Computer dann an einen der 132 Thermodrucker weiterleitet. Alles, was man dafür braucht, ist ein Twitter-Account und das Hashtag #MurmurStudy.
Mit dem Kunstwerk will der US-Amerikaner ein urmenschliches Bedürfnis anschaulich machen: Den „menschlichen Drang, zu hören und gehört zu werden, in Kontakt zu treten und kontaktiert zu werden“, sagt er. Um das möglich zu machen, hat er ein Computerprogramm eingerichtet, das Twitter nach bestimmten Schlüsselwörtern wie „Dialog“ oder „Literatur“ absucht. Auch bildsprachlich ausgedrückte Emotionen wie Smiley-Zeichen interessieren die Software. Die sortiert die Nachrichten nach Begriffen und druckt sie aus.
Baker beschäftigt sich in seiner Arbeit mit der Beziehung zwischen Gesellschaft und Technologie. Der Künstler interessiert sich dafür, wie sich Menschen im öffentlichen Raum präsentieren und begegnen, und wie groß unsere Kommunikationsnetzwerke inzwischen sind. Wie groß, das zeigte sich bereits am Donnerstag deutlich an den großen Papierbergen auf dem Boden. In einem davon dürfte seit Donnerstagnachmittag auch eine kleine Nachricht von der „Echo Online“-Redaktion auf aufmerksame Leser warten.
Web-Gemurmel in Papier-Bahnen
Netzwelten: Ein Internet-Kunstwerk in Papier-Form versetzt die Besucher der Frankfurter Buchmesse in Staunen
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FRANKFURT.
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