Der Mensch werde in der schnelllebigen Arbeitswelt mit zahlreichen Ablenkungen gefüttert, sagt Andreas Zimber von der Fachhochschule Heidelberg. Etwa den immer wieder aufblinken E-Mails. Hinzu kommt: „Weil das Medium so schnell ist, erwarten alle, dass man auch schnell antwortet“, sagt der Professor für Wirtschaftspsychologie.
Daraus ergeben sich zwei Probleme. Zum einen fehle häufig die Konzentration für wichtige Aufgaben. Wer sich auf ein Thema konzentriert, arbeitet effizienter, muss sich aber trotzdem weniger anstrengen. „Aus Befragungen wissen wir, dass Unterbrechungen der Arbeit als eine Haupt-Störungsquelle gelten.“ Zum anderen böten die vielen Ablenkungen dankbare Gelegenheiten, um unliebsame Punkte auf der To-do-Liste aufzuschieben: „Da regiert das Lustprinzip, ich wähle die angenehme Aufgabe“, sagt Zimber.
Was also tun? Zimber rät zu einer Abschottungsstrategie. Wer kann, sollte feste Büro- und Sprechzeiten einrichten, für wichtige Aufgaben das E-Mail-Fach schließen und seine zeitweilige Isolation auch offensiv nach außen zu kommunizieren.
Einige Textverarbeitungsprogramme machen von sich aus die Schotten dicht. Der Focus Writer zum Beispiel überdeckt alle offenen Fenster und zeigt nur den Text in einer reduzierten Ansicht.
Oft lauert die Ablenkung aber woanders – etwa wenn man etwas Wichtiges im Internet nachgucken muss, aber dann doch bei Facebook hängen bleibt. Zwei Browser-Erweiterungen versprechen, zielloses Surfen zu stoppen. Stay Focused begrenzt für Chrome die Online-Zeit auf ein frei einstellbares Limit. Welche Websites auf die Tabu-Liste sollen, bestimmen Nutzer selbst – so lassen sich typische Zeitkiller wie Videoportale, Spiele oder soziale Netzwerke ausgrenzen, ohne dass nützliche Seiten wie Wörterbücher oder die Wikipedia betroffen sind.
Leech Block erledigt Ähnliches für Firefox oder den Explorer: Wer eine blockierte Seite aufruft, bekommt ein Verbotsschild zu sehen. Der kostenlose URL-Blocker arbeitet unabhängig vom Browser.
Disziplin ist aber nötig. Von „Aufschieberitis“ befallene Nutzer müssen die Zeitkiller ehrlich auflisten. Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung – getreu diesem Motto messen Programme wie RescueTime, wie viel Zeit für welche Aktivitäten draufgeht. Die Software für Windows- und Mac-Computer dokumentiert in der kostenlosen Basisversion, welche Programme und Webseiten geöffnet sind, die kostenpflichtige Variante bricht den Zeitverbrauch auf einzelne Dokumente herunter. Beides kann entlarvend sein.
Wichtig ist, dass die Tools gegen die Ablenkung nicht selbst zur Ablenkung werden. „Technische Hilfen sind nur nützlich, wenn sie nicht noch zusätzlich Arbeit machen“, sagt Zimber.
Maßnahmen gegen Ablenkung durchs Internet
Nachrichten, neue E-Mails und Chat-Einladungen halten von der Arbeit ab – Tools helfen dabei, sich eine Weile von der Außenwelt abzuschotten
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