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Immer im Netz: Die meisten Teilnehmer beim „Barcamp“ in Darmstadt hatten ihre Laptops und Smartphones dabei. Per Twitter und Facebook stellten sie Vortragsthemen und -inhalte sofort ins Netz. Foto: Patrick Lenz
DARMSTADT.
Alex Boerger stellt in einem großen Konferenzraum sein Projekt vor. Seinen Laptop hat er an einem Beamer angeschlossen, der die Website des Projekts auf die Leinwand hinter ihm projiziert. Einige Zuhörer verfolgen aufmerksam jeden einzelnen Klick des jungen Mainzers. Andere wiederum schauen nur gelegentlich auf und sind ansonsten in die Notebooks auf ihren Knien und die Smartphones in ihren Händen versunken.
Leicht könnte man dieses Verhalten als Desinteresse interpretieren. Doch ein genauer Blick auf die Bildschirme im Publikum zeigt, dass die eifrigen Tipper Werbung für Alex Boergers Vortrag machen - über den Microblogging-Dienst Twitter und das soziale Netzwerk Facebook. Viele Teilnehmer des »Barcamps« Darmstadt (
http://darmstadt.barcamp-rheinmain.de) halten über diese Plattformen jeden Moment der Tagung fest.
Am Samstag und Sonntag sind etwa 300 Menschen aus dem Rhein-Main-Gebiet auf dem Telekom-Gelände zusammengekommen, um dort über die Zukunft des World Wide Web und über Netzkultur zu diskutieren. Die Teilnehmer des »Barcamps« bereiten selbst Vorträge vor. »So werden aus Zuhörern Referenten und aus Referenten Zuhörer«, erklärt Organisator Darren Cooper das Prinzip. Welche Vorträge gehalten werden, entscheidet die Gemeinschaft. Jeder Seminartag beginnt mit einer kurzen Vorstellung aller eingereichten Themen. Per Handzeichen wird abgestimmt, welche beim Publikum ankommen und welche nicht.
Die Zielgruppe sind Programmierer, Software-Entwickler, Blogger, Online-Journalisten und internetaffine Laien. So gemischt das Publikum ist, so vielfältig ist am Ende auch das Programm für die beiden Seminar-Tage. Auf den »Stundenplänen« des Barcamps stehen Themen wie »Hochqualitative PHP5-Komponenten« oder »SQL-Style-Guides«, die die Technik hinter dem Internet beleuchten.
Aber auch weniger techniklastige Vorträge haben es durch das Votum des Publikums geschafft. Etwa sechs Veranstaltungen finden parallel in verschiedenen Räumen statt. Frank Hamm beispielsweise referiert in einem Saal darüber, wie er mit Hilfe von Blogs, Twitter, Facebook und anderen Webseiten seinen Hawaii-Urlaub geplant hat. Schon Monate vor der Reise hat er über das Internet Kontakte zu Einheimischen geknüpft. Vor Ort hat er sich mit seinen Web-Bekanntschaften getroffen und so die pazifische Inselkette von einer ganz anderen Seite kennengelernt. »So kam es, dass meine Frau und ich bei einem traditionellen Hula-Wettbewerb zuschauen durften. Als normale Touristen hätten wir von dieser Veranstaltung nie erfahren«, erklärt Hamm. Seine Erfahrungen hat er in einem Blog (
www.hawaiitwentyten.com) festgehalten.
Stefan Opitz von den Darmstädter Grünen hingegen hält einen Vortrag darüber, wie Parteien in Zeiten des Word Wide Web Wähler erreichen können. Seine Zuhörer kritisieren, dass zwar viele Politiker inzwischen soziale Netzwerke für sich entdeckt hätten, ihre Seiten dort aber schon kurz nach der Wahl wieder vernachlässigten.
Über seine Erfahrungen mit der Organisation »Couch-Surfing« (
www.couchsurfing.org) berichtete Konrad Förstner. Über deren Website können abenteuerlustige Reisende in Städten überall auf der Welt kostenlose Unterkünfte finden. Als Gegenleistung müssen die Mitglieder ihre eigene Couch ebenfalls für Fremde zur Verfügung stellen. »Auf diese Weise habe ich viele Freunde fürs Leben gefunden«, erzählt der Darmstädter.
Jesse Adler und Sonja Ludscheidt aus Wiesbaden stellen in ihrem Vortrag die iPhone-App vor, an der sie derzeit arbeiten: »Loca-Li« (
www.loca.li) soll es den Usern ermöglichen, ihre Freunde schnell über coole Restaurants, Bars und Partys zu informieren - und zwar mit Texten, Videos und Fotos. »Außerdem erhält man eine genaue Wegbeschreibung zur Location«, berichten die beiden Jungunternehmer.
Ein Projekt, das Kunst und das Internet miteinander verbindet, stellt Alex Boerger vor. Sein Verein errichtet sogenannte »Internetbrunnen« in Mainz. Wirft man Geld ein, spucken die von Künstlern entworfenen Objekte Rauch aus oder leuchten bunt. Außerdem aktivieren die Spender so einen W-Lan-Hotspot: Alle Menschen, die sich in der Nähe des »Internetbrunnens« (
http://internetbrunnen.de) befinden, können nun kostenlos im Internet surfen. »Das Signal wird mit der Zeit dann immer schwächer, bis wieder jemand Geld einwirft.«
Einige Vorträge werden sogar live im Internet übertragen, die Twitter-Unterhaltungen (
http://twitter.com) der Teilnehmer auf riesige Leinwände projiziert und ständig Fotos von der Veranstaltung auf der Bilder-Plattform Flickr (
www.flickr.com) eingestellt. Am Ende der Tagung ist Organisator Darren Cooper zufrieden: »Das riesige Interesse zeigt, dass das Internet eine große Rolle in unserem Leben spielt und nicht mehr wegzudenken ist.« Auch nächstes Jahr soll es ein »Barcamp« geben, diesmal in Mainz.
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