E-Paper | Mobil | Newsletter | RSS RSS
 
 
| |
 
SUCHE: | Erweiterte Suche |
 
| Suchen |
 
 
 
16. April 2011  | Von Jörg Riebartsch

Zeitungsbranche - Tarife in der Krise

Blättern in Deutschland geht das Geld aus, Arbeit von Redakteuren soll deshalb billiger werden – Betroffene versuchen sich zu wehren

| Vergrößern | Guten Journalismus mit Füßen treten? Auf diese Protestaktion zur vierten Verhandlungsrunde im Tarifstreit für Tageszeitungsredakteure wollten sich die Zeitungsverleger nicht einlassen, und verließen den Verhandlungsort. Foto: Maurice Cox


Der Tarifvertrag für die etwa 14 000 Redakteure an deutschen Tageszeitungen steckt in der Krise, wie die Branche selbst. Am 4. Mai gehen in Dortmund die Verhandlungen über ein neues Vertragswerk in die fünfte Runde. Die Zeitungsverleger mit ihrer Lobby-Organisation BDZV an der Spitze wollen die Arbeitsleistungen der Redakteure billiger haben als bisher. Die beiden Journalistengewerkschaften verlangen hingegen mehr Geld, denn an den Journalisten sei im zurückliegenden Jahrzehnt schon genug gespart worden.


Ritualisierte Verhandlungsmuster, wenn Tarifgegner – Arbeitgeber hier, Arbeitnehmervertreter dort – ihre Forderungen aufeinander prallen lassen, gehören in Deutschland zur gesellschaftlichen Grundordnung. Erstarrte Rituale, die das Publikum zumeist langweilen. Manchmal fährt ein Zug nicht, dann wird mal die Mülltonne nicht geleert. Mit hoher Beschäftigtenzahl oder besonderem Drohpotenzial schaffen es Metaller, Beschäftigte im Öffentlichen Dienst, Piloten und Lokführer immer wieder in die TV-Nachrichten – bis nach einigen Wochen in der Tagesschau nach 20 Uhr eine Einigung vermeldet wird.
In der Zeitungsbranche ist das anders. Zum einen gibt es nur etwa 14 000 Redakteure an Tageszeitungen. Und deren vornehmste Ansicht besteht darin, nicht über sich selbst zu schreiben. Zu berichten gäbe es einiges, denn die Tarifverhandlungen laufen bereits seit September vergangenen Jahres, ohne dass auch nur ein Hauch von Bewegung in die Tarifauseinandersetzung geraten wäre.
Der Manteltarifvertrag der Redakteure ist vom Bundesverband der Deutschen Zeitungsverleger (BDZV) als Verhandlungsführer gekündigt worden. Zum parallel verhandelten Gehaltstarifvertrag gibt es die Forderungen der beiden Journalistengewerkschaften Deutscher Journalistenverband (djv) und Deutsche Journalisten Union (dju) in Verdi, die Gehälter der Betroffenen um vier Prozent anzuheben. Das stößt beim BDZV auf keine Gegenliebe.
Die deutschen Zeitungsverleger werden nicht müde vorzurechnen, dass sich ihre Branche in einer veritablen Einnahmekrise befindet. In den Zeitungshäusern sind die Werbeeinnahmen in den vergangenen zehn Jahren um etwa 50 Prozent gesunken. Und auch beim Verkauf der Zeitungen dreht sich das Rad, wenn auch langsam, rückwärts. Die verkauften Auflagen der Tagesblätter sind leicht aber stetig abgängig.
Die Eigentümer und Arbeitgeber in den Zeitungshäusern werden deshalb nicht nachlässig, dem logischen Reflex eines ehrbaren Kaufmanns zu folgen und die Ausgaben den sinkenden Einnahmen anzupassen. Das bedeutet, die Kosten zu senken. Und Zeitungsredaktionen sind besonders lohnkostenintensiv.
In den zurückliegenden Jahrzehnten haben die Zeitungen mächtig die Personalmenge, insbesondere in der Zeitungsherstellung, nach unten geschraubt. Zum Beispiel bei Herstellungsaufgaben, die von den Redaktionen mit übernommen wurden, was die Produktivität in den Denk- und Schreibstuben exorbitant gesteigert hat. Erst übernahmen die Redakteure zusätzlich die Jobs der Korrektoren, eher mit leidlichem Erfolg. Später umbrachen, gestalteten und layouteten sie in den meisten Redaktionen ihre Zeitungsseiten selbst. Und dort, wo das nicht geschieht, werden zweistellige Millionendefizite pro Jahr erwirtschaftet, so beispielsweise bei der traditionsreichen „Frankfurter Rundschau“, die deshalb nun radikalste Sparmaßnahmen ausrufen musste.
Diese Veränderung in den Zeitungen hat nicht nur das Berufsbild des angestellten Journalisten erheblich gewandelt, es hat die Redakteure vor allem unentbehrlich gemacht. Zwar greifen alle Zeitungen üblicherweise auch auf ein Heer freier Autoren zurück, aber die können sich eben nicht selbst redigieren, mit der Terminwahrnehmung beauftragen, Fotografen einsetzen, Themen in verschiedenen Ausgaben und medienneutral koordinieren, Zeitungsseiten umbrechen, Kommentare schreiben.
Mittlerweile ist allen Verlegern klar: Natürlich kann man fest angestelltes Personal in den Redaktionen abbauen, aber das macht die Qualität des Produktes Zeitung nicht besser. Also, so die Rechnung der publizistischen Arbeitgeber, muss man erreichen, die Arbeitsleistung der unverzichtbaren Mitarbeiter einfach günstiger zu bekommen.
Dies wollen die Verleger mit einem neuen Manteltarifvertrag erreichen. Derzeit erhalten die Redakteure an Tageszeitungen zu ihren zwölf Monatsgehältern jährlich 1,75 zusätzliche Monatsgehälter als Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Nach dem Willen des BDZV soll diese Zusatzleistung auf ein Monatsgehalt eingedampft werden. Zudem wünschen sich die Verleger einen zweiten Tarifvertrag, nämlich für Neueinsteiger in den Beruf. Diese sollen etwa 15 Prozent unter dem Niveau alimentiert werden, wie es Tageszeitungsredakteure heute gewohnt sind.
Damit sind die Gewerkschaften djv und dju in Gänze nicht einverstanden. Sie sehen in den angestrebten Absenkungen der tariflichen Leistungen eine dauerhafte Abwertung des Journalistenberufs. Der stellvertretende Verdi-Vorsitzende Frank Werneke findet: „Die gute Arbeit in Redaktionen darf nicht durch Tarifabbau bestraft werden, sondern verdient vielmehr echte Tariferhöhungen.“
Nüchtern betrachtet treffen in dieser Tarifauseinandersetzung Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufeinander, die nicht damit zurechtkommen, dass sie gemeinsam in einer mittlerweile schrumpfenden Branche wirken. Die Verlagsmanager versuchen ihr Unvermögen, Erlöse zu halten oder zu steigern, damit zu kompensieren, dass sie weiter allein auf die Senkung von Kosten setzen. Aber die Gewerkschaften haben auf diese Krise auch keine Antwort, wie die schon beinahe rührend naive Forderung des djv zeigt, man möge auf die Auflagen- und Einnahmerückgänge doch bitteschön mit der zusätzlichen Einstellung von Redakteuren reagieren.
Ob nun am 4. Mai in Dortmund Bewegung in die diametralen Auffassungen gerät? Die vorerst letzten Gespräche hatte es am 23. Februar geben sollen. Doch die Vertreter des BDZV verließen den Tagungsort vorzeitig – sie hätten sich auf eine Protestaktion der Gewerkschaften einlassen und dazu auf Bildern von Redakteuren herumtrampeln müssen. Das mochten die Verleger nicht.

 
 
BEWERTUNGEN
  •  
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel zu bewerten. | Anmelden |
Dieses Thema kann nicht kommentiert werden.

 
Wetter: Heute | Morgen |
 
Morgens Mittags Abends
 
 
Darmstadt aktuell:
wolkig, 28°C | Mehr Wetter |
... ... ...
 
Veranstaltungskalender
 
Veranstaltungskalender
Ihre Termine in ganz Südhessen für Kultur und Kunst, Märkte und Feste, Party und Clubs.
 
| Mehr |
ANZEIGE
Surftipp der Woche
 
Suchmaschine für Unpopuläres Recherchiert man im Netz mit einer Suchmaschine nach Informationen, bekommt man schnell das Wichtigste angezeigt. Wer jedoch über die Standard-Seiten hinaus nach weniger Populärem Ausschau hält, für den ist diese neue Suchmaschine eine echte Alternative: | Mehr |
 
| Alle Artikel anzeigen |
FINDE UNS AUF FACEBOOK
 
 
LESERREISEN

Jahresprogramm 2012

 
Alle Reisen im Katalog zum Durchblättern.
| Zum Vergrößern Bild anklicken |
DVD-Tipps
 
Rund um die DVD Ein Technik-Glossar und nützliche Links rund um die DVD hat Echo Online zusammengestellt. | Mehr |
 
HOCHZEITSPORTAL

Ihre Hochzeit im Internet

Erstellen Sie Ihre persönliche Hochzeitsseite mit Ihrem Liebesglück, Hochzeitsanzeigen, Fotos und Videos, virtuellen Geschenken, Tipps und Ideen.
Mehr |
Film
 
Kinos in Südhessen Lust, mal wieder ins Kino zu gehen? „Echo Online“ hat aufgelistet, wo es in Südhessen Stadt-, Multiplex-, Imax- und Autokinos gibt. | Mehr |
 
Abo
 
Mini-Abo Genießen Sie die Berichterstattung zur Fußball-EM. Nutzen Sie außerdem Ihre Chance auf 1 von 8 Original Bitburger Party-Pakete!
Mehr |
 
 
Techniktipps
 
Tipps rund um PC und Smartphone Wie sichert man alle Mails in einer Datenbank? Wie komponiere ich einen eigenen Klingelton? Viele Antworten rund um Computer, Tablet-PC, Handy und Smartphone gibt es in unseren Techniktipps. | Mehr |
 
| Alle Artikel anzeigen |
ANZEIGE
Wer gute Notebooks online kaufen möchte, sollte auf www.billiger.de die Preise vergleichen.
Urlaubsreif? Mit bestfewo.de finden Sie die passende Ferienwohnung für Ihren Traumurlaub.
Domain Check auf united-domains.de: Ist Ihre Wunschdomain noch frei? Am besten gleich bei United Domains prüfen und wenn möglich registrieren.
 
SCHON GESEHEN?
 
 
ANZEIGE