Es geht – im wörtlichen Sinne – um die Wurst. Ein TV-Spot einer Bank mit Basketball-Star Dirk Nowitzki ruft Vegetarier und Veganer auf den Plan. Über Tage wird die Facebook-Seite der Direktbank zum Diskussionsforum über Sinn und Unsinn von Fleischverzehr, gesunde Ernährung und den Hunger in Afrika. Was war geschehen? Sympathieträger Nowitzki, 2,13 Meter groß und aus Sicht der ING-Diba zugleich ein Sinnbild für Bodenständigkeit, kehrt – so suggeriert das 45-Sekunden-Werbefilmchen – in die Metzgerei seiner Kindheit zurück. Eine Verkäuferin reicht ihm eine Scheibe Wurst über die Theke. „Was haben wir früher immer gesagt?“ Nowitzki: „Damit Du groß und stark wirst.“ Schallendes Gelächter. Was ein Sparprodukt der Bank bewerben soll, empört die Internetgemeinde. Ein Veganer postet auf Facebook: „das ist schon krass dass er wurst isst. ... schämt euch diba. stoppt fleisch im fernsehen!“ Eine Vegetarierin nennt den Spot „anstößig“. Die Fraktion der Fleischesser lässt das nicht auf sich sitzen. „Soll jetzt in jedem Film nen Steak etc. gepixelt werden?“, fragt eine Nutzerin. Eine andere ist es leid, „als Tiermörder abgestempelt zu werden“. „Fruchtzwergenaufstand“ im „Gutmenschenland“ oder berechtigter Austausch über unterschiedliche Weltsichten? Der Chef der ING-Diba, der Niederländer Roland Boekhout, ist erstaunt: „Es ist interessant, wie schnell so eine Diskussion so groß werden kann und die Emotionalität da reinkommt“, sagt er. In der Hochphase der Wurstdebatte seien „im Fünf-Sekunden-Takt neue Posts und Kommentare eingestellt“ worden, berichtet der Pressesprecher der Bank, André Kauselmann. Mit solchen Erfahrungen steht ING-Diba nicht allein da. Auch andere Geldhäuser experimentieren mit Facebook, Twitter und Co. Über soziale Netzwerke direkt Kontakt zu möglichen Kunden aufnehmen – das klingt einfach, viele Banken jedoch nutzen Social Media bislang eher als zusätzlichen Kanal für ihre Werbebotschaften. Harsche Urteile wie das von Trigema-Chef Wolfgang Grupp (68) („Twitter ist für mich einfach nur dumm, und die Menschen, die das nutzen, sind für mich Idioten“) gehören in deutschen Unternehmen zunehmend der Vergangenheit an. Doch: „Viele Firmen sind noch völlig planlos“, befand Robert Wauer, dessen Firma für Kunden die sozialen Netze, Blogs und Webseiten mit spezieller Software überwacht, kürzlich im „Handelsblatt“. Marketingforscher Bernhard Sauer warnte im vergangenen Jahr: „Ein reiner platter Vertriebskanal hat in diesem anarchischen Umfeld oft einen Bumerangeffekt.“ So machte etwa die Deutsche Bahn die unangenehme Erfahrung, beim Ticketverkauf via Facebook ungewollt ein Forum für Kritik am Unternehmen zu schaffen. Die ING-Diba sah dem Treiben auf ihrer Facebook-Seite eine Weile zu. Dann zog sie die Reißleine. Den „lieben Fans und Diskussionsteilnehmern“ teilte sie mit, sie stelle ihre Plattform ja gerne für Diskussionen bereit. Nun sei es aber genug, schließlich wolle man als Bank „Kunden attraktive Finanzprodukte und einen guten Service“ anbieten: „Um den Anliegen unserer Kunden und Interessenten wieder mehr Raum zu geben, werden wir nun neue Posts zu den genannten Themen von der Pinnwand entfernen.“ Nowitzkis Wurstclip ist im Internet längst ein Hit. Allein auf Youtube wurde der Film mehr als 70.000 Mal aufgerufen. Ob der blonde Hüne ohne Fleischeslust das geworden wäre, was er heute ist? Mancher der Facebook-Diskutanten hat Zweifel: Nowitzki wäre womöglich „nicht größer als einsfuffzig geworden ..., wenn der immer nur Gemüse gegessen hätte. Dann hätte der nur Jockey werden können.“
Wie Unternehmen Social Media als Marketingkanal nutzen
Soziale Medien – Unternehmen nutzen Facebook und Co. gern als Marketingkanal, doch manchmal gibt es dabei unangenehme Überraschungen
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