In den ersten Monaten wurden viele Sendungen noch in Hamburg produziert und gesendet, wo zuvor der Vorläufer „Deutscher Langwellensender“ angesiedelt war. Erst im August war der Umzug nach Köln abgeschlossen. Vorausgegangen waren zehn Jahre Überlegungen und Diskussionen – und der Versuch des Bundeskanzlers Konrad Adenauer (CDU), einen Staatsrundfunk zu errichten. Gründungsauftrag des Senders war, Rundfunksendungen „für Deutschland und das europäische Ausland“ zu veranstalten und gezielt die „mitteldeutschen Hörer“ anzusprechen – gemeint waren die Bürger der DDR.Als der Deutschlandfunk dann den Betrieb aufnahm, war die Errichtung der Berliner Mauer gerade fünf Monate her. Der damalige Bundespräsident Heinrich Lübke sagte zum Sendestart, die Machthaber der DDR könnten die Mauer höher und stärker machen und jeden Fluchtweg blockieren, „noch aber gibt es Ätherwellen, die von uns zu Ihnen hinüberreichen, die ein verbindendes Wort zu Ihnen bringen sollen, ein informierendes, ein erleichterndes oder auch ein tröstendes“.Gründungsintendant Franz Gerhard Starke versprach, der Deutschlandfunk solle „kein Kampfsender“ werden, „in dem Sinne, dass Polemik oder Agitation wie bei einem Sender des Ostens sein Wesenselement bilden“. Es waren die goldenen Jahre des Hörfunks. 1962 waren in Deutschland 16,5 Millionen Rundfunkteilnehmer registriert, 6,5 Millionen hatten einen Fernseher. Für zehn Millionen Deutsche war das Radio noch immer das einzige Fenster zur Welt. Die Radiosender begannen allerdings vor allem abends, eine Abwanderung des Publikums zu spüren.Von Anfang an setzte Gründungsintendant Starke auf aktuelle Information und politische Tagesberichte. 1964 führte der Deutschlandfunk als erster Sender die Nachrichten im Stundentakt ein. Zu den Redakteuren der ersten Stunde gehörten Peter von Zahn, Klaus Mehnert und Dietrich Schwarzkopf, der spätere Programmdirektor der ARD.In den ersten zwölf Jahren seines Bestehens war der Deutschlandfunk vor allem dies: der Ost-West-Sender, der eine Brücke schlagen sollte, der Grüße und Musikwünsche sendete und der in Sendungen wie der Presseschau „Aus Ost-Berliner Zeitungen“ die Hörer im Osten wissen ließ, was sich zwischen den Zeilen der DDR-Presse herauslesen ließ.1973, als Reinhard Appel Intendant wurde, kündigte er einen Kurswechsel an. Der Deutschlandfunk sei nicht der „Anti-Sender zur DDR“, sagte er, sondern solle zum „Dialogsender“ werden. Auch den Marxisten könne der Sender „nicht vorschreiben, mit welchen Augen und welcher Dialektik sie die Welt betrachten“. Der Deutschlandfunk stellte sich fortan viel mehr in den Dienst deutsch-deutscher Verständigung, Reinhard Appel wollte ihn zum deutschen Informationsprogramm machen. Im Oktober 1974 wird die morgendliche Informationssendung eingeführt, in der das Politikerinterview um 7.15 Uhr bald eine herausragende Rolle spielt – ein Interview, für das nicht wenige Politiker gerne schon frühmorgens zur Verfügung stehen. Bis heute bestimmen viele dieser Gespräche die politische Agenda des Tages.Mit dem Fall der Mauer 1989 stellte sich auch die Existenzfrage für den Deutschlandfunk. Der Auftrag des „Wiedervereinigungssenders“ schien erfüllt zu sein. Doch da wiesen die Ministerpräsidenten dem nationalen Hörfunk eine neue Funktion zu: Er solle das Zusammenwachsen von Ost und West fördern.1994 fusionierten der Deutschlandfunk, der ostdeutsche Deutschlandsender Kultur und Rias Berlin zum Deutschlandradio mit den zwei bundesweiten Hörfunkwellen Deutschlandfunk und Deutschlandradio Berlin (später Deutschlandradio Kultur). Seit Januar 2010 gehört auch der Digitalsender „DRadio Wissen“ zum Angebot des Deutschlandradios.Im 50. Jahr seines Bestehens gilt der Deutschlandfunk als Musterknabe unter den öffentlich-rechtlichen Sendern. Während andere Radiowellen mehr und mehr zum Nebenbeiprogramm verkommen, hat der Kölner Sender seinen Ruf als Informationssender in den vergangenen Jahren gefestigt. 1,6 Millionen Hörer schalten täglich ein. Entscheidend, schrieb Intendant Willi Steul anlässlich des Jubiläums, sei aber nicht der Blick zurück, sondern der Blick nach vorn: Deutschlandradio müsse ein Sender mit Programmen bleiben, „die von den Menschen als wertvoll und als unverzichtbar erachtet werden“.
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