Volker Weicker ist bekannt dafür, dass er auch ein Null-Null spannend übertragen kann. Der Darmstädter Fernsehregisseur setzt Fußballspiele in Szene und den Schlager-Grand-Prix, die Sender buchen ihn für Kanzlerduelle und dann, wenn Dieter Bohlen den Superstar sucht. Aber auch dieser TV-Tausendsassa kann nicht alles richten. Die anhaltende Debatte um das Verhalten des Bundespräsidenten bescherte Günther Jauch am Sonntagabend in der ARD zwar ein großes Publikum. Aber das sah eine merkwürdig müde Debatte. Auf der einen Seite Journalisten, die ein wenig lustlos schienen, auf immer neue Ungereimtheiten in Wulffs Argumentation hinweisen zu müssen. Auf der anderen Seite die Verteidigung, für die sich nur noch Bernhard Vogel gefunden hat, den das jüngere Publikum wahrscheinlich gar nicht mehr kennt. Er will die Sache vor allem menschlich bewertet wissen, weil jeder sich mal vergaloppieren kann.
Und Jauch? In seinem Quiz bei RTL läuft er derzeit zu großer Form auf, wenn er einen Kandidaten verunsichern kann. Das journalistische Format im öffentlich-rechtlichen Fernsehen hingegen füllt er diesmal auffallend lustlos. Er gibt der Debatte weder Richtung noch Impulse, wirkt bisweilen gar abwesend. Dann aber kündigt er einen Gast an, der als Beispiel herhalten soll für die Nehmerqualitäten des Bundespräsidenten bei Geschenken und Gratis-Reisen. Man denkt an Maschmeyer und Geerkens, an Fincas und Jachten, aber dann kommt nur Frau Solara. Die hat ein Schokoladengeschäft in Norderney und war mal in der Jungen Union, wo sie Wulff kennengelernt hat. Wenn der Christian in Norderney ist, wohnt er bei der der Angela über dem Schokoladengeschäft, und die Fernsehbilder zeigen, dass Sozialneid fehl am Platze ist. Von wegen Luxushotel oder Villa im Park – die Wulffs schlafen auf Norderney in einer Kammer, deren schmuckeste Einrichtung ein Sessel ist, der unglücklich zwischen Schrank und Wand geklemmt ausschaut. In Norderney, lässt Frau Solara wissen, trägt der Bundespräsident auch mal Jeans. Aber das ist auch schon der Endpunkt des liederlichen Ferienlebens: „Er trinkt Saft, wir lieber Wein.“
Warum das einen Fernsehzuschauer interessieren sollte, bleibt das Geheimnis von Jauchs Redaktion, die immerhin ein gutes Dutzend Journalisten beschäftigt. Besuche bei Familie Solara waren bisher nicht Gegenstand der Kritik am Bundespräsidenten, die ohnehin nur eine Pressekampagne ist, wie man auf Norderney weiß.
Eine Aufzeichnung der Sendung vom Sonntag gibt es auf www.ardmediathek.de.

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