Mario Adorf wurde von gleich zwei Filmdiven mit gezückter Lesebrille geehrt. Miss Piggy sang mit Hape Kerkeling ein Liebesduett. Und die Hollywoodfraktion war bei der 47. Goldenen Kamera auch da. Ein Wechselbad der Gefühle so wie beim Comeback von Monica Lierhaus samt Heiratsantrag – das gab es dieses Mal nicht, aber solche TV-Momente sind ohnehin selten.
Als beste deutsche Schauspieler ehrte die Programmzeitschrift „Hörzu“ die neue Frankfurter „Tatort“-Fahnderin Nina Kunzendorf, die allerdings krank war und nicht kommen konnte, sowie ihren Kölner Kollegen Dietmar Bär, der in „Kehrtwende“ (ARD) einen prügelnden Familienvater spielt. Die ZDF-Paargeschichte „Liebesjahre“ mit Kunzendorf und Iris Berben kürte die Jury am Samstagabend in Berlin zum besten Fernsehfilm.
Moderator Hape Kerkeling trug einen braven schwarzen Anzug und servierte einige Spitzen: Etwa über Theo Koll („den Bachelor vom ZDF“) oder über Christine Neubauer, die sich auf die Kleidergröße von Günther Jauch heruntergehungert habe.
Die Goldene Kamera ist eine kleine Nachbildung der ersten funktionstauglichen elektronischen Fernsehkamera der Welt, der sogenannten Farnsworth, die 1936 bei den Olympischen Spielen in Berlin zum Einsatz kam. Der Bildhauer Wolfram Beck entwarf die Trophäe, nachdem der damalige „Hörzu“-Chefredakteur Hans Bluhm zusammen mit seinen Fernsehkritikern die Idee eines jährlichen Preises für Leistungen beim Film und vor allem im Fernsehen hatte.
Die Trophäe ist vergoldet, innen ist sie aus 600 Gramm 925-er Sterlingsilber. Die erste Gala war 1966 in Hamburg, der Verleger Axel Springer wollte die glamouröse Veranstaltung dann ab 1967 in Berlin, der Hauptstadt, angesiedelt sehen.’
Besonders emotionale Momente: 1979 nimmt der medienoffene Papst Johannes Paul II. den Preis (für das vorangegangene Jahr 1978) im Vatikan entgegen. 1984 reist Prinz Philip extra an. 1999 tritt Herbert Grönemeyer erstmals nach dem Tod seiner Frau Anna und seines Bruders Wilhelm wenige Monate zuvor wieder öffentlich auf und bedankt sich, dass er so „überwältigende und herzliche Anteilnahme“ erfahren habe. 2006 bekommt Showmaster-Legende Rudi Carrell, gezeichnet von seiner schweren Krankheit, den Preis fürs Lebenswerk. Es ist sein letzter Auftritt vor dem Tod. 2007 erhält Liselotte „Lilo“ Pulver einen Lebenswerk-Preis. In schlichten Worten erinnert sie an ihren gestorbenen Mann und ihre Tochter, die sich 1989 das Leben nahm. 2011 tritt die Sportmoderatorin Monica Lierhaus nach zwei Jahren Kampf gegen ihre schwere Erkrankung überraschend wieder vor TV-Kameras - und macht ihrem Lebensgefährten einen Heiratsantrag.
Ein „bisschen peinlich“ war es Kerkeling, dass er von den „Hörzu“-Lesern zum besten Comedian gewählt wurde. „Moi freut sich so für dich“, jubelte Miss Piggy, die gerne vornehm französisch „moi“ für „ich“ sagt. Die „Muppet“-Puppendiva ließ sich vor der Gala im Auto fotografieren. Am roten Teppich war es so kalt, dass eine Schauspielerin mit den Worten „Ich muss rein, sonst sterb’ ich“ in die Ullsteinhalle huschte.
ZDF-Sportmoderatorin Katrin Müller-Hohenstein hielt eine der launigsten Dankesreden. „Ich falle jetzt gleich in Ohnmacht“, sagte sie und pries neben ihrer Familie auch ihren „tollen Ex-Mann“. Sowas hört man nicht oft bei Preisverleihungen. Comedian Matze Knop parodierte Franz Beckenbauer: „Der liebe Gott freut sich über jede Frau.“
Nachwuchsschauspielerin Liv Lisa Fries (21, „Vater Mutter Mörder“) wirkte überrumpelt, als sie die „Lilli Palmer und Curd Jürgens-Gedächtniskamera“ bekam, die mit 20 000 Euro dotiert ist. Ihre Kommentare schwankten zwischen „das freut mich“, „alter Schwede“ und „ein bisschen geil“. Beste Unterhaltungssendung wurde die Sat.1-Musikshow „Voice of Germany“, bei der nicht nur Laudator Markus Lanz mag, dass sie ohne Häme auskommt.


Merken
|
















