|
|
Bis zu 90 000 Tageszeitungen laufen demnächst pro Stunde über diese Ketten in die Versandhalle des neuen Druckzentrums in Rüsselsheim. Foto: Hans Dieter Erlenbach
RÜSSELSHEIM.
Der Aufzug steckt schon wieder fest, es funktioniert nur eine Toilette und ein Techniker, der in schwyzerdütsch Kommandos gibt, eilt hektisch an einem der roten Drucktürme vorbei. Im neuen Druckzentrum im Rüsselsheimer Gewerbegebiet Blauer See, das vom Medienhaus Südhessen (ECHO-Zeitungen) und der Mainzer Verlagsanstalt Rhein-Main (VRM) gemeinsam gebaut wurde, ist es dieser Tage hektisch. Denn ab heute laufen die ersten Druckerzeugnisse über die Drucktürme, in etwa fünf Wochen sollen die ersten Tageszeitungen der beiden Medienhäuser in Rüsselsheim gedruckt werden.
Der Leiter der Rotation, Frank Bauer, steht an einer Maschine und schaut sich Zeitungsseiten an, die mit einer Tageszeitung noch wenig zu tun haben. Große Farbflächen statt Text und Bilder sind auf den Seiten zu sehen. Immer wieder kommt ein Techniker und nimmt einige der Zeitungen aus dem Druckstapel heraus. Sie kommen sofort an einen der sechs Leitstände, um die Farbe auf die richtige Einstellung zu vermessen.
Dass im Druckzentrum derzeit auch schwyzerdütsch gesprochen wird, hängt mit dem Lieferanten der Druckmaschinen zusammen. Das Unternehmen Wifag hat seinen Sitz in der Schweiz. Rund ein Dutzend Mitarbeiter sind momentan in Rüsselsheim, um die Inbetriebnahme der Maschinen vorzunehmen. Zurzeit sind sie gerade damit beschäftigt, die Druckmaschinen mit den Versandmaschinen eines anderen Lieferanten zu synchronisieren.
Ein Stockwerk tiefer füllt ein Gewirr aus dünnen Stahlträgern mit Ketten die Halle. An den Ketten hängen später mal die Zeitungen, wenn sie nach dem Druck Richtung Versand befördert werden. Bei Bedarf werden noch Beilagen eingelegt, bevor die Zeitungen als handliche Pakete in die Halle kommen, wo die Versandfahrzeuge beladen werden, bevor sie sich zu den Austrägern auf den Weg machen.
Angrenzend an die Rotationshalle befindet sich das Papierlager. 30 000 Meter Papier hat eine der riesigen Rollen. Das reicht aus, um etwa 28 000 Zeitungen zu drucken. Die Hallendecke ist mit zahlreichen Sprinklern bestückt, damit es bei einem Brand nicht zu einer Katastrophe kommt. »Wir ertrinken eher, als dass wir verbrennen«, scherzt Frank Bauer.
Der Bedarf an Papier wird im Papierlager auf einem Display angezeigt. Die Mitarbeiter legen dann die benötigten Rollen mit einem Spezialgabelstapler an einer bestimmten Stelle bereit, wo sie von einem führerlosen Fahrzeug abg eholt und zur entsprechenden Druckmaschine befördert und dort abgelegt werden. Die Maschine nimmt die Rolle dann selbsttätig auf. Weiter geht es in einen Raum mit großen Stahltanks. In jedem dieser Tanks befinden sich rund 10 000 Liter Druckfarbe, nämlich schwarz, cyan, magenta und gelb.
An den drei Druckplatten-Belichtern werden gerade neue Mitarbeiter angelernt. Bei Hochbetrieb können dort später pro Stunde bis zu 1000 Platten hergestellt werden.
Irgendwie muss bis Ende Oktober alles rund laufen in einem der modernsten Druckzentren für Tageszeitungen in Deutschland. Bis dahin gibt es noch viel zu tun, damit die Maschinen reibungslos laufen. Da sind die kleinen Probleme mit dem Aufzug und den Toiletten fast schon Nebensache.
Dieses Thema kann nicht kommentiert werden.