Das Magix-Programm „Retten Sie Ihre Videokassetten! (Version 5)“ ist für 59,99 Euro im Handel erhältlich. USB-Videowandler und Scart-Adapter sind integriert. Das Programm eignet sich sowohl für VHS-Videos als auch für Video 8, Betamax un d andere analoge Videoquellen. Für die Überspielung von Videoinhalten ist ein PC (oder Laptop) mit mindestens 2-GHz-Prozessor, 512 MB Arbeitsspeicher, USB 2.0-Anschluss und Grafikkarte mit Direct X 9.0-Unterstützung nötig. Die Programminstallation beansprucht ein GB Festplattenspeicher, außerdem ist für die Videos reichlich Speicherplatz einzuplanen.
Um Letztere geht es vor allem, wenn man sich über eine Digitalisierung der alten Schätze Gedanken macht. Dazu bieten diverse Spezialfirmen ihre Dienste an. Mit aktuellen Programmen schaffen es aber auch Laien ohne Probleme, ihre Filme für sich selbst und für die Nachwelt zu erhalten. Hilfe leisten dabei mit entsprechender Software kombinierte Videowandler, die auf der einen Seite an die Scart-Buchse des Videorekorders, auf der anderen an eine USB-Schnittstelle des PC angeschlossen werden. Die auf Musik- und Videobearbeitung spezialisierte Firma Magix hat jetzt die Version 5 des Programms „Retten Sie Ihre Videokassetten“ herausgebracht, das mit einer übersichtlicheren Benutzeroberfläche und weiteren Menüvorlagen aufwartet. Nach dem Überspielen bieten sich viele Möglichkeiten zur kreativen Nachbearbeitung des filmischen Materials. Dass das Digitalisierungsprogramm den Untertitel „Video easy“ trägt, ist nicht übertrieben: Das Menü erklärt sich von selbst und macht eine leichte Arbeit ohne Studium voluminöser Handbücher möglich.
Etwas Muße ist dafür unerlässlich, denn die Übertragung der analogen Daten ist nur in Echtzeit möglich: Wer eine komplette zweistündige VHS-Kassette übertragen will, muss dafür auch zwei Stunden warten. Aber natürlich kann man schon vorher auswählen, welche Szenen überhaupt erhaltenswert sind. Wenn man gleich zu Beginn der Übertragung die Funktion „Automatische Szenenerkennung“ einschaltet, wird die Aufnahme in Szenen zerlegt, die auf einer Bildleiste am unteren Rand des Bildschirmmenüs angezeigt werden. Die einzelnen Filmschnipsel kann man später gezielt bearbeiten, mit Überblendungen und Schriften versehen, oder auch löschen. Aber auch nach erfolgter Aufnahme lassen sich die Szenen neu schneiden und verschieben.
Von dem vollmundigen Versprechen der Programmentwickler („Mit nur wenigen Klicks lassen sich alte Hobbyfilme wieder auffrischen“) darf man allerdings keine Wunder erwarten. Wenn das Ausgangsmaterial schon vergilbt, verwackelt und verzerrt ist, lässt sich auch durch digitale Nachbearbeitung nicht mehr viel herausholen. Aber in vielen Fällen sorgt eine neue Einstellung für ein kräftigeres und kontrastreicheres Bild. Über Schieberegler kann man bei den einzelnen Szenen die Helligkeit, den Kontrast und die Farbsättigung korrigieren. Zusätzlich gibt es eine Reihe von Effekten, zum Beispiel die Variante „alter Film“, die dem Geschehen das Dekor eines Stummfilms der zwanziger Jahre gibt.
Nach dem Videoschnitt erfolgt die Vertonung. Neben dem vom Videorekorder übertragenen Originalton kann man einen neuen Audiokommentar und auch eine Begleitmusik einfügen. Wenn der Film fertiggestellt ist, kann er wahlweise auf DVD oder Blu-ray-Disc gespeichert und dann mit den entsprechenden Geräten vorgeführt werden. Neu ist die Möglichkeit, Videoclips direkt auf die eigene Facebook-Seite zu laden.
Ungeklärt ist allerdings, welche Haltbarkeit und Zukunftschancen die derzeit aktuellen Datenträger haben und ob man die geretteten Erinnerungen nicht schon bald von den DVDs auf andere Speichermedien übertragen muss. Und natürlich stellt sich die Frage, wer sich all die abgespeicherten Videos in Zukunft anschauen mag. Ob all die vergangenen Familienfeste, all die spielenden Kinder, all die Urlaubsreisen mit den immer wieder gerne ins Bild gesetzten Sonnenuntergängen über verschiedenen Meeren jemals wieder ein Publikum finden werden?

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