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06. August 2011  | Von Dirk Averesch

Das neue Digitalradio-Netz DAB+

Digitalradio: Seit Anfang August gibt es 14 bundesweite Programme im DAB+-Format , die über ein eigenes Netz ausgestrahlt werden – Auf UKW wird aber unabhängig davon weiter gesendet

 
| Vergrößern | Ein zweizeiliges Display ist bei DAB-Radios Standard. Immer mehr neue Geräte haben aber ein größeres Farbdisplay, in dem umfangreichere Programminfos oder auch Album-Cover angezeigt werden können. Foto: Armin Weigel


Bislang fristet Digitalradio (DAB) in Deutschland noch ein Nischendasein. Den Äther dominiert das analoge UKW – auch weil für DAB bisher die Geräte und ein echter Mehrwert zum Analogradio fehlten. Das soll sich mit dem Neustart des Digitalradios ändern. Seit dem 1. August gibt es neben dem DAB-Angebot in den Bundesländern 14 bundesweite digitale Programme, darunter auch Privatradios. Das neue Deutschland-Angebot wird mit einer neuen Technologie über ein eigenes Netz ausgestrahlt und als DAB+ bezeichnet. Nach und nach werden auch die DAB-Programme der Länder auf DAB+ umgestellt. Die wichtigsten Fragen aus Verbrauchersicht hierzu im Überblick.

Brauche ich jetzt unbedingt ein neues Radio?

Nein, nicht zwingend. Auf UKW wird erst einmal weiter gesendet wie bisher. Laut Telekommunikationsgesetz läuft der Frequenznutzungsplan für den UKW-Hörfunk zwar 2015 aus. In diesem Jahr steht aber eine Novelle des Gesetzes an, und mit Blick darauf wird über eine Verlängerung der Nutzungsdauer diskutiert. Der endgültige UKW-Abschalttermin wird auch abhängig sein von der Akzeptanz des Digitalradios.

| Vergrößern |
Hörfunk-Nostalgie: Noch kann dieses Analog-Radio aus dem Jahr 1952 Sender empfangen. Erst wenn DAB richtig Fuß gefasst hat, soll UKW abgeschaltet werden. Foto: Martin Schutt

Welche Vorteile bietet Digitalradio überhaupt?

Es gibt eine größere Programmvielfalt und – neben den gewohnten landesweiten, regionalen und lokalen Programmen – ein bundesweit einheitliches Angebot. Während per UKW an einem Ort in der Regel nicht mehr als 30 Programme gleichzeitig ausgestrahlt werden können, sind mit DAB+ leicht mehr als 100 Programme möglich. Rauschen und Knistern im Ton gibt es nicht, denn digitaler Empfang bedeutet, dass entweder alles einwandfrei zu hören ist oder gar nichts, wenn das Signal zu schwach ist. Ein Digitalempfänger zeigt alle verfügbaren digitalen Kanäle im Display einfach mit dem Sendernamen an.

Wie viele Sender kann ich per DAB+ und DAB empfangen?

Mit der Einführung von DAB+ gibt es 14 neue digitale Programme, die bundesweit einheitlich ausgestrahlt werden: Lounge FM, Absolut Radio, Radio Energy, 90elf, Radio Bob, ERF Radio, Klassik Radio, Kiss FM und der christliche Sender Radio Horeb ab 1. August. ERF Pop und Sunshine live starten ein wenig später. Von Anfang an dabei sind zudem die öffentlich-rechtlichen Sender Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur und D-Radio Wissen.
Hinzu kommen zum Teil die DAB-Sender, die auch bisher zu empfangen waren. Ihre Zahl schwankt von Bundesland zu Bundesland stark. Auf der neuen Internetseite www.digitalradio.de soll es unter anderem eine Abfrage der verfügbaren digitalen Programme nach Postleitzahl geben.

Welche Besonderheiten bietet DAB+?

Auch Zusatzinformationen von Programmhinweisen bis hin zu Album-Covern können übertragen werden. „Viele der Geräte haben aber noch nicht das nötige Display“, schränkt Helmut G. Bauer ein. Er ist Geschäftsführer der DRD Digitalradio Deutschland GmbH, die die Interessen des privaten Digitalrundfunks vertritt. Digitalradio mit Displays mit mehr als zwei Zeilen seien in großer Zahl erst zur zweiten Gerätegeneration mit DAB+ zu erwarten. Der Fußballsender 90elf wird am Wochenende alle Bundesliga-Spiele live übertragen und dazu zeitweise sechs Programme gleichzeitig senden: bis zu fünf Spiele plus eine Konferenz.

Was mache ich mit meinem alten DAB-Gerät?

Mit dem kann vorerst weiter empfangen werden – allerdings nur das schrumpfende DAB-Angebot in den Ländern. Dieses wird nämlich Schritt für Schritt von DAB auf DAB+ umgestellt. Dauerhaft parallel in DAB und DAB+ will nur das Deutschlandradio seine Programme senden.

Kostet der Empfang von DAB+ Geld?

Nein. Der Empfang bleibt wie bei UKW und DAB kostenlos.

Kann DAB+ überall empfangen werden?

Nein. Zum Start gibt es nach Angaben des Sendenetzbetreibers Media Broadcast deutschlandweit 27 Sendestationen, die 38 Millionen Menschen in ihren Häusern erreichen und 50 Prozent der Fläche Deutschlands für den mobilen Empfang abdecken. 2014 soll das Netz dann auf 110 Sender ausgebaut werden.

Gibt es überhaupt schon Digitalradios mit DAB+ zu kaufen?
Weitere Infos

Mehr Informationen zum Thema Digitalradio gibt es hier.


Ja. Die DRD hat zum Start mindestens 120 Geräte gezählt, die DAB+ empfangen können. Ein klassisches Küchenradio ist bereits für 50 Euro zu haben. „Die neuen DAB+-Geräte können alle auch DAB“, erklärt Bauer. Auch UKW gehört zum Standard, immer öfter auch Internetradio.

Gibt es DAB auch in Autoradios?

Ja. Einige Hersteller bieten DAB ab Werk als Option an. Man kann auch nachträglich selbst ein Radio mit DAB einbauen. Die UKW-Antenne lässt sich dafür aber nicht nutzen. Oft liegt den Geräten eine DAB-Klebeantenne für den Innenraum zum Nachrüsten bei.

Was ist der Unterschied zwischen DAB und DAB+?

Der für DAB+ verwendete Codec AAC benötigt gegenüber dem bei DAB eingesetzten MP2 (Musicam) noch weniger Bandbreite und klingt trotzdem nicht schlechter. Die freiwerdende Bandbreite kann für mehr und neue Programme genutzt werden.



 
 
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