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06. Januar 2012  | Von Klaus Gürtler

Apps sind billiger als Werbespots

Software – Autodesk will mit kleinen Programmen wie Sketchbook die Endkunden erreichen und damit Werbung für seine Profi-Anwendungen machen

| Vergrößern | Grafische Spielerei: Ein Mitarbeiter des Unternehmens Autodesk präsentiert ein iPad mit der Zeichen-App Sketchbook. Foto: dapd

Wer will schon auf einem iPhone malen?“ Diese Frage hätten sich bei Autodesk viele gestellt, als einige Mitarbeiter die App Sketchbook entwickelt hätten, sagt Noah Cole, Pressesprecher des für seine Konstruktionssoftware AutoCAD bekannten Unternehmens Autodesk. Wer auf einem iPhone malen will, kann Cole auch nicht so genau sagen, auf jeden Fall scheinen es ziemlich viele zu sein. Denn SketchBook wurde schon in den ersten zwei Monaten eine Million mal heruntergeladen. Gehofft hatten die Entwickler auf 100 000 Downloads in einem Jahr.Um die Zeichen-App SketchBook hat sich inzwischen eine richtige Community gebildet, ganz aus dem Antrieb derjenigen, die das Programm nutzen und damit wahre Kunstwerke zaubern. Beflügelt vom Erfolg von SketchBook entstanden bei Autodesk weitere Apps und Tools, 20 verschiedene sind es inzwischen, die nun schon 15 Millionen Mal heruntergeladen wurden. Darunter etwa auch die Bildbearbeitungs-App Pixlr oder Programme wie Sculpt, mit dem man dreidimensionale Figuren formen, oder auch Homestyler, mit dem man die Wohnungseinrichtung testen kann.Es gibt die Apps für iPhone, iPad oder auch Android und zum Teil stehen sie auch im Chrome Store als App für Desktop-Computer zur Verfügung. Gemeinsam ist ihnen, dass sie einfach, oft sogar fast intuitiv zu bedienen sind.Die Apps sind Teil einer Strategie von Autodesk, die vor zwei Jahren begann, erklärt Cole. Das Unternehmen wollte sich nicht länger nur an professionelle Anwender, sondern auch direkt an Endkunden wenden. Für alle diese Programme musste bei Autodesk fast nichts extra entwickelt werden. Das Wissen und die Software sind im Unternehmen schon lange vorhanden und Teile aus größeren Programmen etwa zur Bild- oder Filmbearbeitung, wie Cole erklärt.Erst kürzlich neu hinzugekommen sind so noch die kostenlosen Apps „123D Catch“ und „123D Make“ für 3D-Designs. So lassen sich mit „123D Catch“ digitale Fotos in fotorealistische 3D-Modelle verwandeln oder auch ein persönlicher Avatar erstellen. Dazu werden Personen fotografiert und mit „123D Catch“ in 3D-Modelle umgewandelt.Aber warum gibt ein Unternehmen so etwas kostenlos her? Da gebe es mehrere Motive, sagt Cole. Zum einen sei es tatsächlich so etwas wie Altruismus. Der Wunsch, „den Menschen Möglichkeiten zu geben. Wer etwas machen will, soll es tun“, erklärt Cole. Aber natürlich sei es „auch Marketing, Werbung halt“. Die Menschen sollen Autodesk kennenlernen und vielleicht später dann auch die Profiprodukte nutzen. Der Nebeneffekt: Diese Art der Werbung ist für das Unternehmen fast kostenlos. „Diese Apps sind billiger als ein Werbespot beim Superbowl“, sagt Cole mit Bezug auf das größte Sportereignis des Jahres in den USA mit seinen horrend hohen Werbepreisen.Die Apps von Autodesk sind nur ein Beispiel dafür, warum die Softwarebranche so stark im Umbruch begriffen ist. Ob es eine Fotobearbeitung oder ein Spiel ist, es gibt inzwischen so ziemlich alles als App und das oft kostenlos. Das alles sind aber Programme, mit denen andere Firmen Geld verdienen wollen oder müssen. Das wird in Zukunft nicht leichter werden.

 
 
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