Heute (Freitag) sowie am Samstag (21.) und 27. jeweils um 20.30 Uhr im Theater Mollerhaus. Kartentelefon: 06151 26540.
Die Mollerhaus-Bühne, Forum der freien Szene, lockt immer wieder ehemalige Tänzer vom Staatstheater vis-à-vis. Nach den Zwillingsbrüdern Giuseppe und Michele de Filippis (Twin Dance) und dem Nachwuchsprojekt Human Natural Theater von Laszlo Kocsis zeigen nun Simone Deriu, Tatiana Marchini und Pao-Su Chiang das Stück „Man in the clouds“. Alle drei kennen Tanzfreunde aus Mei Hong Lins Company.
Der Sarde Deriu (28), 2007 bis 2010 am Staatstheater, setzte zusammen mit Marchini bereits vor einem Jahr in Darmstadt eine kleine Marke als freier Künstler: mit zwei Auftritten des Stücks „Not available today“ im beengten Studioraum der Kunsthalle. Ein geeigneter Tanzsaal war damals nicht zu finden. „Das war ein Versuch“, sagt Deriu heute. Die Gastspiele im Theater Mollerhaus sind da schon ein Fortschritt.
Zwischen zwei Engagements bei Produktionen in Hannover im vergangenen Frühjahr und bis vor wenigen Tagen in London entstand „Man in the clouds“. Zu sehen ist erst ein Solo von Deriu, dann eines des Taiwanesen Pao-Su Chiang, schließlich ein Pas de deux von Deriu und Marchini, das an ihre Arbeit in der Kunsthalle erinnert. „Sie bewegen sich wie Kunststoff-Figuren in gegensätzlichen Welten, durch die sie reisen wie Tag und Nacht“, heißt es in der Ankündigung des Theaters. Im ECHO-Gespräch erzählt Deriu, dass der Titel auch ein wenig seinen Charakter beschreibe: „Ich lebe auch teilweise in den Wolken, verloren in so vielen Details.“ Diesen Zustand wollen sie ertanzen.
Wobei das Theaterleben selbst gewiss keine Wolkentänzerei sein kann. Zu viel gibt es zu koordinieren. Die Uraufführung von „Man in the clouds“ ging bereits im Oktober in Derius sardischer Heimatstadt Sassari über die Bühne. Dort soll im kommenden Juni auch die nächste Riu-Produktion entstehen. Und dort wird man den Namen der Company auch auf Anhieb verstanden haben. Riu ist nicht nur eine Silbe aus dem Namen des Choreografen, „de Riu“ bedeutet in sardischem Dialekt auch „vom Fluss“. „Ich mochte den Klang, sehr rund und erdig“, sagt der Mann, der tanzend vom Fluss in die Wolken steigen will. Zwischen der italienischen Heimat und Darmstadt sucht der Tänzer nun eine künstlerische Heimat: einen Ort, wo er auch mal mit mehr Tänzern arbeiten und sich in die Rolle des Choreografen zurückziehen kann.
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