Johann Kresnik kommt am
Freitag (5.) um 20 Uhr zum Gespräch mit Mei Hong Lin in die Darmstädter Kammerspiele.
Am 23. und 24. Februar (Dienstag/Mittwoch) gibt es jeweils um 20 Uhr unter der Überschrift „Rendezvous – Hier wird getanzt“ Begegnungen mit dem Publikum im Ballettsaal – Treffpunkt an der Kammerspiel-Bar.
Drei bis vier Kollegen aus der Sparte Tanz will Mei Hong Lin in ihrer neuen Reihe ,,Zu Gast bei..." empfangen - Choreografen, Tänzer, aber auch Musiker. Den Anfang macht der Österreicher Johann Kresnik (70), der sich als Tanztheaterchef in Bremen, Heidelberg, Berlin und Bonn mit kraftvoller Körpersprache und ungebändigter Gesellschaftskritik einen Ruf als Berserker und Bürgerschreck erarbeitet hat. Eben erst hat er in Osnabrück seine jüngste Produktion ,,Felix Nussbaum" als Totentanz über den im KZ ermordeten Maler herausgebracht. Prominenter kann man eine neue Reihe über Tanztheater kaum beginnen. ,,Er ist schon sehr explosiv und hat sicher viel zu sagen", sagt Mei Hong Lin, die sich auf das Temperament ihres Gesprächspartners freut: ,,Es ist interessant, jemanden einzuladen, der ganz anders ist als ich."Gelegenheit, Mei Hong Lins Truppe ganz nah zu erleben, bietet sich Zuschauern am 23. und 24. Februar: Unter dem Titel ,,Rendezvous" zeigen die Tänzer im Ballettsaal vor maximal 50 Zuschauern kleine Etüden und Improvisationen. Es geht bei dieser neuen Präsentationsform nicht um Perfektion, sondern um Intimität und Nähe: ,,Die Tänzer sind teilweise nur zwei Meter weg", sagt Mei Hong Lin. Mehr als 9000 Flugkilometer weg von ihrer Heimatbühne sind die 16 Darmstädter Tänzer Anfang März. Das Staatstheater Darmstadt hat eine Einladung zu Gastspielen beim zweiten Taiwan International Festival erhalten (12. bis 14. März). In der Hauptstadt Taipeh gastieren Ensembles von hohem Rang aus allen Sparten. Da ist die Berliner Schaubühne mit ,,Hamlet" ebenso vertreten wie Theatermagier Robert Wilson. Darmstadt zeigt Mei Hong Lins Choreografie ,,Schwanengesang", die am 27. Februar Derniere hat. Noch am selben Abend werden die Kostüme eingepackt in Flug-Container. Das Bühnenbild wird von den Taiwanesen neu gebaut. Bis ins Rheinland und ins französische Aquitanien haben Gastspielreisen das Darmstädter Tanztheater schon geführt, doch so weit ging die Reise noch nie: in die Heimat von Mei Hong Lin, wo die Angehörigen der Tanztheaterchefin schon jetzt per Telefon mitteilen, im Fernsehen würde das Staatstheater Darmstadt angekündigt. Unter Intendant John Dew hat die Oper ja schon einige Fernweh-Gastspiele (Spanien, Schweden, Südkorea) absolviert, nun wird auch das Tanztheater zum Kulturbotschafter. Weitere Anfragen aus Frankreich, Italien und Brasilien liegen bereits vor. Ob sich diese Reisen realisieren lassen, bleibt abzuwarten, sagt Mei Hong Lin: ,,Wir sind ja nicht als Tourneetheater konzipiert."
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