Alles muss raus. Kein Fummel bleibt im Schrank, keine Flause im Kopf. Totalausverkauf bei Billys Resterampe: Choreograf William Forsythe räumt den Fundus, ramscht alles auf die Bühne. „The Returns“ heißt die Performance zwischen Trash und Travestie, die nun im Bockenheimer Depot zu sehen ist. Die Forsythe Company fängt komplett durchgeknallt an, steigert sich dann konsequent, verfällt auch mal in hochtourigen Leerlauf, liefert aber am Schluss der 90 Minuten eine derart mitreißende Modenschau ab, dass das Publikum bei der Frankfurter Premiere erschöpft und beglückt jubelt.
„The Returns“ ist eine hysterische Parodie auf den Markt von Hoch-Kunst und Haute Couture, auf Ego- und Erotomanie. Yoko Ando führt als Wahrsagerin, Maniküristin und Zensorin ausdauernd schrill durch die revuehafte Freakshow. In einem mit grotesken Fotofigurinen vollgerümpelten Raum zwischen Printshop und Schneideratelier brabbelt sie konkrete Poesie, reimt sich Dada und Gaga, Art-Schock und Artischocke, Maske und Mascara zusammen. Das allein ist zunächst vor allem anstrengend, da Forsythe auf keinen Gag verzichten will. Seine Truppe trägt dazu irrwitzige Kostüme vor allem von Stephen Galloway auf. Ein dramaturgisches Korsett ist nicht dabei.
Doch weil die Show so berstend vollgepackt ist, kann sie auch an keiner Stelle durchhängen. Und weil Forsythe-Tänzer mit ihrem Bewegungsvokabular abkippender Körperachsen auch schon sehenswert sind, wenn sie die Bühne bloß zum Jux-Laufsteg machen, entfaltet dieser Abend zwischen „Käfig voller Narren“, Clownszirkus und Kinderkarneval einen bezwingenden Irrwitz. Ob sie nun als Piraten, lebende Handtasche, Ampelmännchen oder Charleys Tante auftreten, jeder dieser Tänzer will auch Entertainer sein; egal ob sie gerade Glam und Glitter oder Pappe und Plaste vorführen.
Während William Forsythe sonst formal sehr streng sein kann, lässt er hier mal die Zügel schießen. Mit seinen 61 Jahren kann er bei Bedarf eine fast infantile Anarchie entfalten, wenn es gilt, die Last des eigenen Alterswerks abzuschütteln. Kritik an Kunst und Mode ist dabei denn auch vor allem ein Anlass zu wildem Schicki-Schabernack. Den Spaß hat der Meister sich und seiner Truppe bereits 2009 in seinem Dresdner Hauptquartier gegönnt. Dass die Frankfurter Premiere am 11.11. über die Bühne ging, kann man nicht zuletzt auch als Beitrag des Balletts zum Karneval loben.
Informationen über Aufführungstermine und Tickets unter www.frankfurt-ballett.de.
„The Returns“: Vom Laufsteg zur Resterampe
Performance: Forsythes Company zeigt „The Returns“ im Bockenheimer Depot: Parodie auf Kunst und Haute Couture
FRANKFURT.
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