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22. Oktober 2011  | Von Stefan Benz

„Sturm“: Magie in Bewegung

Tanz: Im Exil seiner einsamen Insel sitzt der Zauberer Prospero (Eric Beauchesne) und faltet eine Flottille aus Papier

FRANKFURT. 

Im Exil seiner einsamen Insel sitzt der Zauberer Prospero (Eric Beauchesne) und faltet eine Flottille aus Papier. Ein Sturm wird kommen und ihm den Bruder, der ihm einst in Mailand die Macht geraubt hat, samt Gefolge an den Strand spülen. Da tritt Prosperos Luftgeist Ariel (Sandra Maria Garcia) heran, verspeist ein Papierschiffchen, und der Orkan bricht los als blitzender Schauer auf wehendem Vorhang. Nein, das ist kein Bildertheater von Peter Brook, obwohl es dem Altmeister zur Ehre gereichen würde: Die kanadische Choreografin Crystal Pite zeigt im Frankfurter Künstlerhaus Mousonturm mit ihrer Haus-Compagnie Kidd Pivot „The Tempest Replica“ frei nach Shakespeares altersweisem Drama „Der Sturm“.
Es ist erfreulich zu sehen, wie handfest und unbefangen, verspielt und dabei präzise Pite zu allen probaten Mitteln des Theaters greift, um Tanz zum sinnlichen Spektakel und die Show wiederum zur nachvollziehbaren Erzählung zu machen. Wer seinen Shakespeare kennt, wird ihn hier wiederfinden, wem die Vorlage fremd ist, wird zumindest mit Prosperos Magie schnell vertraut.
Auf der Insel sind zunächst alle außer Zauberer und Luftgeist gesichtslose Gestalten. Jede Figur ist Modell, der Mensch entpuppt sich erst im zweiten Teil, wenn Motive des Stücks in der urbanen Gegenwart aufscheinen. Die Vorgeschichte von Prosperos Entmachtung gibt es als märchenhaftes Schattenspiel, zu Sound- und Lichteffekten gesellen sich Textprojektionen zwischen Shakespeare und Comic. Und dazu entwickeln die sieben Performer gestisch expressiv und tänzerisch geschmeidig eine beredte Bewegungssprache.
Prospero ist dabei auch ein Puppenspieler, der die Schritte seiner Tochter Miranda lenkt, und ein Erzieher, der die Bestie Caliban zivilisiert. Die Kreatur, im Schattenspiel ein expressionistisches Monster, ist in heutiger Gestalt ein Anzugtyp, der sich an der Sprache schier verschluckt. Kurz scheint sich die Inszenierung zwischen Edel-Kunstgewerbe und Virtuosenschau zu verirren, doch im Laufe der 75 Minuten findet Crystal Pite für Prospero den Weg zurück auf die Insel. Dort darf der Zauberer nach großer Versöhnungstat, gefolgt von drei Schatten seiner selbst, einen schönen Theatertod sterben – anders als bei Shakespeare und doch auch mit ihm ganz versöhnt.

Informationen über Aufführungstermine und Tickets unter www.mousonturm.de .

 
 
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