Auf der leeren Bühne scheinen Spielfelder eingezeichnet zu sein. Jedenfalls vollziehen die Tänzer Bewegungen nach, als wären sie Figuren, die nach den Regeln eines unbekannten Spiels ziehen. Wer dieses Körper-Schach spielt, bleibt unklar, aber es passt zum Titel der Uraufführung „Stellenstellen“.
Die neue Produktion, die William Forsythe im Bockenheimer Depot vorstellt, nennt sich nicht „Choreografie“, sondern „eine Arbeit“. Als Tanz würde man das auch eher nicht bezeichnen, was Forsythes Truppe da zeigt: Schulterschlenkernd oder rückenruckelnd streben sie durch die Halle, kriechen Kopf voran und robben zur Seite gekippt, staksen wie flugunfähige Vögel, springen wie verkrüppelte Frösche, erstarren verrenkt zu bizarren Kranichen oder Flamingos. Immer wieder verknoten und verklumpen auch mehrere Leiber miteinander wie Freistilringer, die absurde Skulpturen bilden. Das Stück könnte mithin auch „Schraubenschrauben“ oder „Knotenknoten“ heißen.
Nun sind hier zwar Tanzexzentriker mit stupender Körperbeherrschung am Werk, doch Forsythe verlässt sich doch allzu sehr darauf, dass diese Qualität allein schon eine Stunde tragen wird. Sie tut es nicht. Das Bizarre wird bald fad. Zumal das knapp halbstündige Vorspiel mit der Wiederaufnahme „Whole in the Head“ auch nicht dazu angetan ist, Begeisterung zu erzeugen.
Ein Tänzer ruft seine fünf Kollegen mit Tarzanschreien zum Werke, später wird er seine Veitstanzbewegungen mit einer Art Zungenrede verbinden. Auf diesen Vortänzer wollen die anderen offenbar reagieren, doch das führt nur zu Irritation. Die Kommunikation der Körper scheitert. Dazu pluckern und blubbern die Raumklänge von Thom Willems mit Dopplereffekten. Zwischen der Übersetzung des Titels „Alles im Kopf“ und dem sprachlich nahe liegenden Doppelsinn „Loch im Kopf“ ergeben sich nur wenige Spielräume, in denen sich für den Betrachter bald Ratlosigkeit ausbreitet.
Informationen über Aufführungstermine und Tickets unter www.frankfurt-ballett.de.
„Stellenstellen“: Knoten knoten
Uraufführung – William Forsythes Ballett im Bockenheimer Depot
FRANKFURT.
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