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18. November 2011  | Von Rainer Köhl

„Requiem“: Chor als Sterbebegleiter

Trauer und Trost: Nanine Linning stellt sich als Chefchoreografin im Opernzelt vor

HEIDELBERG. 

Es wird wieder getanzt am Heidelberger Theater. Und zwar so richtig. Nicht nur hat das städtische Theater eine neue Chefchoreografin und wird kommende Saison ein neues eigenes Tanz-Ensemble bekommen. Die neue Ballettchefin Nanine Linning hat sich in ihrer ersten Premiere im Opernzelt auch mit einem Abend vorgestellt, der eine Wegmarke der neuen Richtung darstellt: weniger Theater im Tanz wie bisher bei der Vorgängertruppe PVC als vielmehr uneingeschränkter Tanz der ästhetischen Art. „Requiem“ heißt der neue Abend von Nanine Linning, der nun als Übernahme ihrer bisherigen Wirkungsstätte vom Theater Osnabrück nach Heidelberg kam.
Mit der Musik von Gabriel Faurés „Requiem“ als (unter Leitung von Dietger Holm) live aufgeführter Grundlage hat sich die Choreografin mit Tod und Vergänglichkeit auseinandergesetzt. Dabei setzt sie wie Fauré ganz auf die lichten, paradiesischen Seiten des Sterbens. Im ersten Teil kann man den paradiesischen Figuren des Abends ganz nahe kommen, kann sie besichtigen in einer Art lebendigem Museum. Es sind allesamt weiß gekleidete Figuren, mythologische Fabelwesen, welche vom Künstler-Duo „Les Deux Garçons“ entworfen, die Bühne als lebende Objekte bevölkern: ein Kentaur, ein dreiköpfiger Höllenhund, ein Vogelweib und dergleichen mehr.
Zwei menschliche Versuchskaninchen lassen ärztliche Versuche über sich ergehen, eine Wassernixe und ein Wassergott, beide mit Fischschwanz, liegen in trauter Zweisamkeit beisammen. Im zweiten Teil robben die beiden über die Bühne und singen die Solopartien des Requiems: Hye-Sung Na (Sopran) und Marco Vassalli (Bariton). Und auch alle weiteren Figuren begegnen einem wieder, auch jene, die ihr weißes Skelett außen auf der Haut tragen.
Ein großes Aufgebot an Darstellern ist an dieser Produktion beteiligt: 18 Tänzer wurden vereint mit der Compagnie aus Osnabrück und Tanzstudenten der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt. Dazu kommt der Chor des Heidelberger Theaters, gleichfalls weiß gekleidet wie die Tänzer und als Bewegungschor involviert ist. Eine bewegte Masse wird dabei über die Bühne geführt, wogend und wallend, auch rennend und springend. Körper werden herumgewirbelt, in athletischen Hebefiguren herumgereicht. Glieder und Körper sind vielfach ineinander verschlungen, zum „Dies irae“ werden wilde Sprünge vollführt. Dabei agiert der Chor sowohl musikalisch wie szenisch als Sterbebegleiter, werden nacheinander leblos hingleitende Körper der Tänzer aufgefangen und auf den Boden gebettet.
Es sind poetische Bilder stiller Trauer und des Trostes und mitunter werden auch ruhige Videosequenzen eingesetzt, die das Sterben sublimieren: Hände, die über Gesichter streichen oder ein Frauengesicht, das still unter die Wasseroberfläche gleitet. Größere Dramatik erhält die Aufführung durch die Hereinnahme von Michel Jansens elektronischer Komposition „Liberty“, die aus Versatzstücken des Fauré-Requiems montiert ist und deren kantige Rhythmen einige Dynamik hineinbrachten.
Zwischen Traum und Albtraum verdichten sich dabei die Bilder, sieht man dunkle Visionen und ein expressives Pas de deux von Léa Dubois und Jesse Hanse. Ja, es wird viel getanzt, zwischen Modern und Jazz-Dance, und das Publikum ist begeistert.

Informationen über Aufführungstermine und Tickets unter www.theaterheidelberg.de.

 
 
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