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27. Oktober 2011  | Von Bettina Bergstedt

„Match“: Leben in der Schachtel

| Vergrößern | Der rote Helm steht für den Zündkopf: Szene aus „Match“ im Theater Mollerhaus. Foto: Thilo Hofer
DARMSTADT. 


Da spielen Laien neben Profis und Jugendliche mit Erwachsenen. Musik von Frank Sinatra bis Richard Strauss erklingt, dazu wird live gerockt, was das Zeug hält. Es geht um Liebe, Macht, Gewalt und Neid, um den Einmarsch der Amerikaner, die erste Mondlandung, ein Rendezvous, Straßenschlachten, Familienidyllen, um Geschlechterrollen, Schwanensee und vieles mehr. Wer glaubt, ein so gearteter Auftritt sei ein einziges Chaos, der hat sich getäuscht. Wie in einer Collage ergeben die Einzelteile als Ganzes einen Theaterabend, der so frisch, klug, spontan, gefühlvoll und oft zum Brüllen komisch ist, dass man sich nach gefühlten zwei Stunden verwundert die Augen reibt.
Ein dichtes, temporeiches „groteskes Theaterstück“ hat der aus Ungarn stammende Tänzer László Kocsis, der bis vor kurzem im Staatstheater getanzt hat, mit „Match“ (Streichholz) geschrieben. Bei der Premiere am Dienstagabend im Mollerhaus präsentierte er sich als Tänzer und Schauspieler, Choreograf, Regisseur und einfühlsamer Förderer junger Talente. So hat er eines Tages die Darmstädter Schülerband „Banana on the road“ gehört und war hingerissen von den vier Jungs (Jakob Moeller, Benedikt Schmale, Justus Maas und Jeremy Lacher) und deren lebendigem Sound. Er konnte sie für sein Projekt, das „Natural Human Theatre“, begeistern und wurde neues Mitglied der Vereins Freie Szene Darmstadt mit dem Ziel, sich für junge Begabungen zu engagieren.
Musikalisch kann der Nachwuchs schon richtig viel – im theatralischen Bereich fehlt noch die Technik. Aber erstaunlicherweise stört das nicht. Denn was Kocsis vorgefunden hat, ist „Talent, Herz und Intelligenz“. Anstatt die vier auf Perfektion zu trimmen, will er, dass sie das, was sie sagen und tun, wirklich verstehen und fühlen. Das schwappt dann auch über den Bühnenrand: Authentizität, Präsenz und Ehrlichkeit.
Ausgangspunkt des Stückes ist eine Streichholzschachtel mit reichem Innenleben. Mit roten Helmen (Zündköpfe) versehen agieren Kocsis und die Bandmitglieder als Streichhölzer und kommen als solche in die Welt hinaus, liegen auf Kaffeehaustischen und beobachten von dort aus Flirtszenen, die sich stummfilmartig auf einer großen Leinwand abspielen (Zoë Schreckenberg und Kocsis). Sie bereisen das Weltall und entdecken mit kritischem Blick, dass sie sich nicht mit einer passiven Rolle im Leben begnügen müssen, sondern die Möglichkeit haben, sich aus engen Grenzen zu befreien, um aktiv zu werden und Dinge zu verändern. In die Rolle des „bösen“ Gegenspielers, ein vom Leben enttäuschtes abgebranntes Streichholz (schwarzer Helm), wirft sich der semiprofessionelle Schauspieler Mo Ahmadi mit Leidenschaft und überzeugt als Despot, Vater oder Chef. Für die gut rhythmisierte Aufführung spendete das große Premierenpublikum begeistert Applaus.
Die Einladung zu einem Theaterfestival in New York hat die Truppe schon in der Tasche. Fehlen nur noch die Sponsoren, um die Reise zu ermöglichen.

Informationen über Aufführungstermine und Tickets unter www.theatermollerhaus.de.

 
 
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