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23. Januar 2012  | Von Stefan Benz

„Man in the clouds“: Schwerelos in die Wolken

Tanzperformance – Riu Dance stellt sich in Darmstadt vor

| Vergrößern | Als Riu Dance Company stellen sich Tatiana Marchini, Simone Deriu (Mitte) und Pao-Su Chiang, drei ehemalige Tänzer aus Mei Hong Lins Compagnie im Staatstheater, nun im benachbarten Theater Mollerhaus vor. Foto: Dagmar Mendel
DARMSTADT. 

Simone Deriu, neues Mitglied im Darmstädter Verein freie Szene, legt als Gründer von Riu Dance einen sehenswerten Einstand auf der Mollerhaus-Bühne hin. Mit ihm sind noch zwei weitere Tänzer, die zuvor in Mei Hong Lins Compagnie am benachbarten Staatstheater engagiert waren, an dem kurzen Tanzabend „Man in the clouds“ (Mann in den Wolken) beteiligt. Entsprechend hoch ist das technische Niveau – eine Bereicherung für die Szene. Was Riu Dance noch fehlt, ist der gute Ruf: nur wenige Dutzend Besucher am Freitag bei der ersten von drei Aufführungen in Darmstadt.
Zwei Soli und ein Pas de deux bietet die Produktion in 45 Minuten. „Man in the clouds“ erzählt keine Geschichten, sondern verkörpert Stimmungen. Zu Ben Harpers flehendem Song „Please bleed“ aus dem Off zeigt der Sarde Simone Deriu einen Ausdruckstanz entrückter Innerlichkeit, bei dem sein Körper im Fall federnd wieder nach oben schnellt – zur Klage eines vom Schmerz betäubten Mannes über eine gefühllose Frau. Später wird Deriu selbst zur Gitarre greifen und mit seiner Interpretation von Damien Rices „Delicate“ den Liedermacher so überzeugend geben, dass ihm in der Fußgängerzone die Euro-Münzen zufliegen würden.
Pao-Su Chiang fügt in seinem Solo an ein Schattenspiel im Scheinwerferkegel zu pluckerndem Elektro-Puls eine tänzerisch explosive Darbietung. Mit seiner schwerelos anmutenden Sprungtechnik ist er derartig behände, dass seine Bewegungen beim Zuschauen vor dem Auge verwischen.
Getragen, fast ein wenig schwermütig geht es schließlich im Duett von Deriu und Tatiana Marchini zu. Sie mag ihn nicht erhören, nimmt ihm die Gitarre weg: Schluss mit dem Jammer nach Noten! Er sucht ihre Nähe, reicht die Hand, sie stößt ihn weg. Halb Zank, halb Neckerei, so nähern sie sich schließlich erschöpft an. Vor einem Jahr, bei zwei proppenvollen Auftritten im viel zu engen Studio der Darmstädter Kunsthalle, hatten die beiden diese Szene bereits angelegt. „Man in the clouds“ wirkt nun deutlich ausgefeilter und klarer.
Das kann jedoch nur dann eine dauerhafte Verstärkung für die Darmstädter Szene werden, wenn Riu Dance nicht nur in den Wolken tanzt, sondern auch festen Boden unter die Füße kriegt. Eine brauchbare Bühne hat Simone Deriu für seine Company im Mollerhaus gefunden, suchen muss er noch sein Publikum.

Informationen über Aufführungstermine und Tickets unter www.theatermollerhaus.de.

 
 
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