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23. November 2011  | Von Rainer Köhl

„I’m with the band“: Beim Klang der Alufelge

Tanz: Jazzdance und viele elegante Hebefiguren bestimmen die tänzerische Gangart, die im Vergleich mit der beherzten Musik mitunter gezähmt erscheint

| Vergrößern | Zwischen Jazzdance und Kasatschok: Die Tänzer Michelle Cheung, Miguel González Muelas und Nadège Cotta. Foto: Hans Jörg Michel
MANNHEIM. 


Die Band und ihre Musik stehen im Mittelpunkt des neuen Tanzabends im Mannheimer Nationaltheater, das ist schon im Titel angedeutet: „I’m with the band“ heißt die neue Choreografie von Ballettdirektor Kevin O’Day. Das signalisiert eine Zugehörigkeit der Tanzcompagnie zur Band, die in dem Stück auf der Hinterbühne sitzt und deren Musiker bisweilen auch involviert sind in das Geschehen. Da wird kommuniziert zwischen Musikern und Tänzern, werden Aktionen und Dialoge eingegangen: spielerisch und neugierig.
Dazu treten einzelne Musiker hinter dem Gazevorhang hervor, spielen intime, lyrische Duos, die von einzelnen Pas-de-deux’ ausgedeutet werden. So macht sich der Pianist an einem Toy-Piano zu schaffen, das ihm immer wieder weggetragen wird, trommelt der Drummer auf einer Autofelge, die ihm weggerollt wird.
Der New Yorker Komponist John King schrieb eine sehr facettenreiche Musik für große Jazz-Combo. Tatsächlich sind diese Klänge das eigentliche Ereignis der Aufführung. Zwischen orchestraler Spätromantik, großen Elegien zu Beginn und heißem Jazz ist das Klangspektrum aufgespreizt. Dynamischer Souljazz ist ebenso eine Grundlage für die ästhetischen Tänze wie kraftvoller Groovejazz. Dabei bekommt die Band, klasse Musiker um den Trompeter Thomas Siffling, jede Menge Freiraum zum Improvisieren.
Traumhaft wirkt der Beginn, zu verwehten Klängen und ebensolchen Bildern wiegen sich die Tänzer wie Bäume im Wind. Mystisches von Didgeridoo und Kalimba, Duos unterschiedlicher Instrumente setzen kleine Geschichten der Tänzer in Gang. Nichts Neues im Grunde, sondern die ewigen Geschichten von zwischengeschlechtlichem Verlangen.
Die Musik gibt die Stimmung vor und die Tänze kommen bald in kühler Klage, lasziv, bald erotisch aufgeheizt daher. Graulende Posaune, gestopfte Trompete, das schürt die Tanzlust. Ein schwüler Blues setzt ein expressives Pas de deux in Gang. Jazzdance und viele elegante Hebefiguren bestimmen die tänzerische Gangart, die im Vergleich mit der beherzten Musik mitunter gezähmt erscheint. Erst ein kraftvoll viriles Ensemble von fünf männlichen Tänzern, die Kasatschok und Valse musette wechseln lassen, bringt viel Vergnügen in den Abend. Gegen Ende wird es immer lebhafter, kommt eine feurige Latin-Runde in schwungvollen Gang.
Aus Wiederholungen, Symmetrien oder synchronen Bewegungen zieht die Choreografie ihren ästhetischen Reiz. Im Laufe des Abends finden Musik und Tanz zu einer bemerkenswerten Einheit zusammen. Aus spielerischen Improvisationen heraus entsteht immer wieder Konzentriertes, umgekehrt wird durch die Impulse eines einzelnen Tänzers das Einheitliche immer gerne aus der Ordnung gebracht.

Informationen über Aufführungstermine und Tickets unter www.mannheim.nationaltheater.de.

 
 
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