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27. Juli 2011  | Von Stefan Benz

„Choreografische Werkstatt“: Tanz des Teufels

Ballett: Abschied und Entdeckung: Die Compagnie des Mannheimer Nationaltheaters im Werkhaus

| Vergrößern | Dieser Dämon könnte auch ein gefallener Engel sein: Solo mit Brian McNeal. Foto: Christian Kleiner
MANNHEIM. 


Das sitzt: Zoulfia Choniiazowa muss sich nicht erheben, sie lässt ihre Hände tanzen. „When nobody sees me“ heißt die Etüde auf einem Stuhl, den die Tänzerin aus Tadschikistan als hochexpressives Sitz-Solo mit Video-Vorspiel aufführt – eine Passion zu barockem Countertenorgesang. Den Zuschauer reißt es fast vom Stuhl, gerade weil diese Frau sich nicht erheben muss, um ihre Gefühle zu offenbaren. Die Choreografie von Maria Eugenia Fernandez zeigt: So wirkungsvoll kann Verzicht sein.
Es ist dies eine von elf Miniaturen, die das Mannheimer Ballett zum Saisonabschluss als „Choreografische Werkstatt“ präsentiert. Seit 2005 lässt Direktor Kevin O’Day seine Tänzer bei dieser Gelegenheit zu Choreografen werden. Es ist eine – mit Pause – über zweieinhalb Stunden zumeist kurzweilige Gelegenheit, die Compagnie und ihre Protagonisten kennenzulernen.
Zoulfia Choniiazowa, seit zwölf Jahren am Haus, gehört gewiss zu diesen Hauptdarstellern – auch als Choreografin. In dieser Funktion hat sie für Brian McNeal das bildermächtige Solo „Demon“ erarbeitet. Der schwarze Dämon entwindet sich zu Horrorfilm- und Verdiklängen roten Stoffbahnen, während im Hintergrund auf haushoher Leinwand das Fegefeuer lodert. Später ziehen Wolken vorüber, der Teufel ermattet und sieht nun aus wie ein gefallener Engel.
Die Spanne der Ausdrucksformen reicht von einer belanglosen Funk-Zappelei bis zum veritablen Tanztheater nach einem experimentellen Kurzfilm von Tom Tykwer, vom Pas de trois zu mongolischem Obertongesang zum apokalyptisch grundierten Solo einer Frau, die sich in einem Haufen von Kostümen neu erfindet.
Fünfzehn Tänzer wirken mit, für Mama Hati ist es nach zwölf Jahren der Abschied von Mannheim. Kevin O’Day hat ihr und dem ebenfalls ausscheidenden Louis Laberge-Coté den pfiffigen Pas de deux „Pearline“ auf den Leib choreografiert. Für die Japanerin, die ihre wuchtige Statur geschmeidig in fließende Bewegung zu setzen weiß, bietet sich gleich in drei Stücken die Gelegenheit, noch einmal ihren Charme spielen zu lassen.
Diesem Abschied steht eine Entdeckung gegenüber: Emiliano Trujillo, seit dieser Saison am Nationaltheater, besticht durch spannungsvollen Körperdialog mit Michelle Cheung im Stück „To each their owen“. Sein erstes selbst choreografiertes Solo ist dann der Höhepunkt nach der Pause. Da lässt er seine Gliedmaßen so wild miteinander ringen, dass wirbelnd-verwischte Körperbilder entstehen. „How?“ heißt das Stück, Wow, denkt der Zuschauer: Wie macht er das bloß?

Informationen über Aufführungstermine und Tickets unter www.mannheim.nationaltheater.de.

 
 
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