Ein gutes Jahr ist es her, dass sich der Darmstädter Verein „Theatermacher“ für „Dantons Tod“ entschieden hat. Im ersten der beiden Büchner-Jahre – 2012 ist der 175. Todestag, 2013 der 200. Geburtstag – wollen sie in einem Schülerprojekt ein Werk des Dichters erkunden. Inzwischen haben an den Schulen die entsprechenden Projekte begonnen, und die Regisseurin Inga Pickel staunt, wie aktuell das Stück erscheint. „Wir sind von der Zeit eingeholt worden“, sagt sie – ob es die Freiheitsbewegung in den arabischen Ländern ist oder der Protest gegen die zerstörerische Macht des weltweit herrschenden Finanzsystems, in Büchers Text finden sich viele Stellen, die staunenswert genau auf diese Ereignisse passen. Dabei ist „Danton“ kein einfaches Stück – „aber gerade seine Vielschichtigkeit öffnet es für Jugendliche“, sagt Pickel, die gemeinsam mit der Schauspielerin und Theaterpädagogin Ulrike Leithner die künstlerische Leitung übernimmt. Büchner stellt existenzielle Fragen, formuliert gesellschaftliche Themen; die Regisseurin sieht darin ein „Materiallager“, an dem sich Fantasie und Engagement der jugendlichen Teilnehmer entwickeln kann.
Seit mehreren Jahren haben es sich die Theatermacher zur Aufgabe gemacht, jugendliche und erwachsene Amateure in Theaterprojekten mit professionellem Anspruch zusammenzubringen. Drei großen Antikenprojekten („Die Hiketiden“, „Die Atriden“, „Iphigenie“) folgte 2010 „An die Arbeit“, eine szenische Expedition in die Berufswelten, in denen die Akteure als „Experten des Alltags“ auftraten. Das Theater sollte zum sozialen Forschungslabor werden, statt erfundener sollten wirkliche Geschichten auf die Bühne gelangen.
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Erst die Auseinandersetzung mit großen literarischen Stoffen, dann die theatralische Suche nach der Wirklichkeit: Für Inga Pickel ist „Danton 12/13“ die konsequente Fortsetzung dieses Weges, weil das Projekt beide Anliegen verbindet. Rund 150 Mittel- und Oberstufenschüler der Georg-Büchner-Schule, der Brecht-Schule und der Freien Comenius-Schule nehmen teil, außerdem zwei Rhythmikklassen der Akademie für Tonkunst. Sie alle werden zunächst mit den Lehrern ihre eigene theatralische Umsetzung erarbeiten, bevor die Einzelteile zum Ganzen zusammengefügt werden. „Wir wollen ja kein durchkomponiertes Stück entwerfen“, sagt Inga Pickel, „sondern Schlaglichter auf verschiedene Aspekte bieten.“
Man kann das auch als pädagogisches Konzept formulieren – erst sollen die Jugendlichen ihren eigenen Standpunkt finden, dann erkennen, dass es auch andere Sichtweisen gibt. Schließlich soll das in gemeinsames Schaffen münden: Ende Mai gibt es Aufführungen der Ergebnisse in den beteiligten Schulen, für Anfang Juni ist ein „Revolutionszirkus“ im Bürgerpark geplant, bei dem die Gruppen sich gegenseitig etwas vorspielen. Im Spätsommer schließlich wird ein Büchner-Parcours als Straßentheater-Strecke durch die Stadt führen. Ziel ist natürlich der Büchner-Platz, der seit seiner Umgestaltung ja auch Bühnen-Qualitäten besitzt.
Dann könnten auch Erwachsene dabei sein, denn die Theatermacher wollen die Auseinandersetzung mit Büchners Themen nicht auf Jugendliche beschränken. Seit Monaten gibt es in Zusammenarbeit mit dem Kulturverein „Menschenskinder“ einen regelmäßigen politischen Salon, bei dem Darmstädter sich im Gespräch über aktuelle Themen austauschen. „Das hilft, die eigene Meinung zu schärfen“, sagt Pickel und hofft auf einen „politischen Chor“, der mit seinen Darbietungen ebenfalls an die Öffentlichkeit geht. „Bei den Büchner-Jahren gibt es viel Hochkultur“, sagt Inga Pickel. „Wir wollen das Stück zu den Menschen bringen und sie einbeziehen.“

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