Zürich 1837: Büchner liegt typhuskrank im Sterben. Der Dichter fiebert voller Selbstzweifel. Er hat in Darmstadt Kombattanten entflammt, die gefoltert wurden, während er im Schweizer Exil seinen Doktor machte. Im Delirium erscheinen ihm Ärzte als Richter, das Krankenzimmer wird Arresthaus. „Büchners Tod ist weniger ein Stück als ein Oratorium über die gescheiterten und die falschen Hoffnungen der Revolutionäre (…) zäh, wo’s nur historisch ist, erregend, sobald es aktuell wird.“ Das schrieb Georg Hensel im ECHO-Feuilleton nach der Darmstädter Uraufführung im Oktober 1972, die Gerd Heinz inszeniert hatte.
Vierzig Jahre nach der Premiere, zum 175. Todestag Büchners, sollte nun ein Frankfurter Regiestudent in Darmstadt mit Gaston Salvatores Werk seine Diplominszenierung machen. Das Konzept stand schon: Das mit 34 Figuren angelegte und für zehn Schauspieler ausgelegte Stück sollte mit nur vier Akteuren als große Textfläche angelegt werden – vornweg der „Hessische Landbote“. Eine neue Lesart für ein Stück, das dem 68er-Zeitgeist verhaftet scheint, sagt Schauspieldirektor Martin Apelt im ECHO-Gespräch.
Der Autor selbst hat den Plan durchkreuzt. Gaston Salvatore (70), Neffe des chilenischen Präsidenten Salvador Allende und Freund des Studentenführers Rudi Dutschke, hatte 1972 als Darmstädter Auftragsarbeit zur Eröffnung des neuen Staatstheaters eine Büchner-Vision verfasst, die das Scheitern der ersten RAF-Generation gedanklich aufgriff. In Darmstadt hätte man 40 Jahre später als aktuellen Bezug den arabischen Frühling mitdenken können, sagt Schauspieldirektor Martin Apelt. Doch Salvatore war mit den weit reichenden Änderungen nicht einverstanden, die Produktion platzte.
Am Donnerstag (2.), 10., 19. und 27. Februar in den Kammerspielen des Staatstheaters.
Der 68er Gaston Salvatore hat mit „Büchners Tod“ „keinen Eingang ins Kernrepertoire geschafft“, sagt Martin Apelt. Nach der Uraufführung stand das Drama nur noch einmal – 1977 am Jungen Theater Göttingen – auf einem Spielplan. Dennoch hält Apelt dem Stück zugute, dass hier das große Büchner-Thema verhandelt wird: „Das Scheitern der Lebensentwürfe.“ Die zeitgemäße szenische Gestaltung dieses Stoffs fällt nun zwar aus, doch immerhin lässt sich in den Kammerspielen Salvatores Sprache neuerlich nachspüren.
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