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Leiden auf Hochdeutsch

Freilichtbühnen: Die Heppenheimer Festspiele bringen Molière mit Walter Renneisen

Man denkt, ihn in dieser Rolle vor sich zu sehen. Dabei hat Walter Renneisen den »Eingebildeten Kranken« noch nie gespielt. Wenn er am 4. August 2011 als Argan auf der Bühne ...
HEPPENHEIM.
Vorverkauf

Die Heppenheimer Festspiele dauern von 20. Juli bis 4. September 2011, Kartentelefon 06252 78203. Internet: www. festspiele-heppenheim.com.

Man denkt, ihn in dieser Rolle vor sich zu sehen. Dabei hat Walter Renneisen den »Eingebildeten Kranken« noch nie gespielt. Wenn er am 4. August 2011 als Argan auf der Bühne vor dem Heppenheimer Winzerkeller steht, ist es für ihn ein Debüt, sagte er am Freitag bei der Vorstellung des Festspielprogramms. Und obwohl der Schauspieler als Experte fürs Hessische gilt, wird dieser Kranke hochdeutsch leiden. Die Molière-Bearbeitungen eines Wolfgang Deichsel schätzt Renneisen zwar durchaus, aber prinzipiell ist für ihn die Hochsprache das Werkzeug. Der hessische Dialekt erzeuge unfreiwillige Komik.

Für den Regisseur Jürgen Nola hingegen ist es eine Wiederbegegnung mit demselben Stück am selben Ort: Den »Eingebildeten Kranken« hat er in Heppenheim schon 1995 inszeniert, und es ist für ihn »ein Stück, das nie seine Aktualität verliert«. Mit den Festspielen vertraut ist auch die Regisseurin der Eröffnungspremiere: Pia Hänggi hat schon mehrfach in Heppenheim inszeniert, in der kommenden Saison ist sie für »Pension Schöller« verantwortlich (Premiere am 20. Juli). Den schrulligen Gutsbesitzer Philipp Klapproth, der eine Pension mit einer Nervenheilanstalt verwechselt, spielt Hänggis Ehemann Horst Sachtleben, und die Regisseurin übernimmt die Rolle seiner jüngeren Schwester - die heiteren Streitereien, scherzt sie, könne man schon daheim üben. Auch der 87 Jahre alte Nikolaus Schilling wird mitspielen und außerdem gemeinsam mit Inge Rassaerts einen literarischen Abend »Gereimtes und Ungereimtes« gestalten (26. Juli).

Festspielchef Thomas Richter blickt zurück auf eine »eher mäßig besuchte Saison«: Etwa 18 500 Zuschauer zählten die Festspiele im vergangenen Sommer. Im Jahr zuvor waren es gut 20 000, und in wirklich guten Spielzeiten kamen noch einige tausend Besucher mehr. Das Geschäft ist schwieriger geworden, die Konkurrenz ist groß - zumal, wie Renneisen sagt, durch die elektronische Verstärkung Freilichttheater auch an jenen Orten Einzug hält, die akustisch eigentlich ungeeignet sind. Einig sind sich Schauspieler und Regisseure, dass das Theater bei Weck und Wein im Hof vor dem Winzerkeller klassische Komödien verlangt - schon ein Stück wie Neil Simons »Sonny Boys« wurde trotz einer glänzenden Inszenierung vom Publikum nur zögerlich angenommen. Dass kaum Subventionen fließen, zwinge zum risikofreien Arbeiten, fasst Hänggi zusammen.

Das Festspielprogramm wird ergänzt durch einen Auftritt des Glenn Miller Orchestra (30. August) und einem Abend mit Musical-Höhepunkten (9. August). Das Festival-Finale am 4. September aber gehört zwei Solo-Auftritten Walter Renneisens, der sein Programm »Deutschland, Deine Hessen« auf die Bühne bringt - und wenn er dann in Dialekt verfällt, ist die Komik ganz freiwillig.


 

Artikel Text Laenge: 208

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  • 13. November 2010
  • Von job
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