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06. Juli 2012  | beg

Die Wahrheit kommt auf den Tisch

Ausblick – Die Musische Gruppe Auerbach zeigt, wie ein Fest zum Fiasko wird – Premiere ist am Samstag

DARMSTADT. 


Helge ist ein erfolgreicher Mann. Er hat sein Leben im Griff, hat eine Frau, Kinder, ein großes Haus. Helge hat es zu was gebracht, da muss ein runder Geburtstag auch gebührend gefeiert werden. Verwandte und Freunde sind gekommen, um dem glücklichen Familienvater zuzuprosten und ihm auf die Schulter zu klopfen. Der lange Tisch ist gedeckt, es wird ausgelassen geplaudert, und der Alkoholpegel steigt. Da erhebt Sohn Christian das Glas und schreit dem Vater zitternd die Wahrheit ins Gesicht: Ein Vergewaltiger und Mörder sei Helge, erklärt er. Ihn, Christian, habe er als Kind sexuell missbraucht und auch seine Zwillingsschwester genötigt, die sich schließlich das Leben nahm.

Das Theaterstück nach dem gleichnamigen Film des dänischen Regisseurs Thomas Vinterberg hatte die Schauspielgruppe der Musischen Gruppe Auerbach (MGA) auf Anhieb begeistert, manche hatten den Film aus dem Jahr 1999 vor langer Zeit gesehen, der sie nachhaltig beeindruckt hatte. Bewusst hat Regisseur Andreas Siebel den Film aber außen vor gelassen, damit er und die Spieler ihre eigenen inneren Bilder finden und ihre eigenen Positionen zu den psychologisch herausfordernden Figuren.
Mathias Linder wollte erst gar nicht die Rolle des Vaters übernehmen, inzwischen sind das Stück und Helge für ihn aber beinahe zum „Suchtfaktor“ geworden. Die „Unbedingtheit“ (Linder), dieses Stück spielen zu müssen, hat auch Matthias Göbel gepackt, der den Sohn Christian gibt. Bei der Generalprobe war zu erleben, dass es den Laienspielern ernst ist: Ihr intensives Spiel zeugt von der eingehenden Auseinandersetzung mit der hochproblematischen Thematik.

Andreas Siebel verstärkt die Eindringlichkeit der Situation, indem er die Bühne an der Längsseite des Raums ansiedelt. „So wird das Stück noch dichter an die Zuschauer herangetragen, denn jeder sitzt beinahe mitten im Geschehen,“ sagt Siebel. Der Wechsel von feuchtfröhlicher Ausgelassenheit und krampfhafter Verdrängung sowie die zunehmende innere Verzweiflung des missbrauchten Sohns vollzieht sich bei diesem Regisseur spannungsreich an einer langen, gedeckten Festtafel.
Zwischen sechs und 80 Jahre alt sind die Mitglieder des knapp zwanzigköpfigen spielfreudigen Ensembles. Neben den „alten Hasen“ gibt es auch immer Neuzugänge, die der MAG stets willkommen sind. Nach einem Jahr Probenarbeit ist das Stück so weit, sagt Siebel, „dass wir uns sehr wohl damit fühlen und uns auf die Premiere freuen.“

 
 


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