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29. Dezember 2011  | Von Stefan Benz

Darmstädter Theater-Ensembles gehen auf Tournee

Darmstädter „Theater auf Tour“ hat mit Dinner-Krimis Erfolg: Nun kommt ein Musical mit Menü

 
| Vergrößern | Nonnsens: Der Titel ist Programm – ein geschäftstüchtiges Nonnen-Quintett gibt eine Charity-Show. Das Singspiel wird von „Theater auf Tour“ als Dinner-Musical herausgebracht. Die Premiere am 27. Januar im Hotel Jagdschloss Kranichstein ist ausverkauft, am 6. Mai gibt es dort eine weitere Vorstellung. Foto: Theater auf Tour
DARMSTADT. 

Man denkt zwischen all den Autohäusern und Bürogebäuden nicht an Theater, wenn man durchs Gewerbegebiet am Rande des Darmstädter Westwaldes fährt. Doch in den weitläufigen Räumen einer ehemaligen Kleiderfabrik in der Hilpertstraße ist die darstellende Kunst eingezogen. Jürgen Bingels „Theater auf Tour“ hat dort seit 2008 seine Zentrale: ein Komplex aus Verwaltungs-, Proben-, Werkstatt- und Lagerräumen wie in einem kleinen Stadttheater oder mehr noch wie in einer Landesbühne. Denn vom Hauptsitz Darmstadt und drei weiteren Neben-Standorten aus gehen bis zu 17 Ensembles durch den deutschsprachigen Raum auf Tournee.

Nun steht ein Dinner-Musical auf dem Programm. Dinner-Krimis, also Morde mit Menü, lässt Geschäftsführer Bingel bereits seit 2004 servieren. Musical-Revues werden in der Tourneebranche auch gern zum Essen aufgetischt. Doch Regisseur Georg Mittendrein hat nun die Aufgabe, eine musikalische Komödie für vier oder für fünf Gänge szenisch zu filetieren. Dan Goggins „Nonnsens“ soll am 27. Januar (Freitag) im Hotel Jagdschloss Kranichstein Premiere haben. In diesen Tagen beginnen in Darmstadt die Endproben.

Internet

www.nonnsens.de
www.dinnerkrimi.de
www.theater-auf-tour.de


Der Off-Broadway-Spaß aus dem Jahr 1985 zeigt fünf Ordensfrauen, die ihre 52 unglücklichen Schwestern nur deshalb überlebt haben, weil sie heimlich zum Glücksspiel ausbüxt sind. Ihr Hauptgewinn: Sie haben die verdorbene Bouillabaisse verpasst, die alle anderen dahinraffte. Für die letzten vier Beisetzungen fehlt das Geld, die Leichen liegen in der Tiefkühltruhe, das Gesundheitsamt droht dem Kloster mit Schließung. Um an Dollars zu kommen, organisiert das Quintett eine Charity-Show nach dem Motto: „Wenn mal was daneben geht, folgt gleich ein Gebet.“ Die Handlung ist mithin nur der schwarzhumorige Anlass für eine Nummernrevue. „Das ist wie gemacht für dieses Format“, sagt der Wiener Georg Mittendrein (61), der das Stück 2010 bereits in einer Freilichtinszenierung herausbrachte. Nun inszeniert der Regisseur, seit Anfang der Neunziger erfahren als Intendant in Altenburg, Bozen, Plauen und zuletzt bei den Clingenburg-Festspielen, also Theater mit Messer und Gabel.
Egal ob beim Krimi oder im Musical – der Rahmen muss dabei stimmen, weiß Pressesprecherin Nathalie Leuerer: „Es ist wichtig, dass es einer inneren Logik folgt, dass sich der Zuschauer nicht fragt: Warum sitze ich hier eigentlich?“ Ein Dinner-Krimi wie „Mord an Bord“ spielt dann also bei der Trafalgar-Gedenkfeier eines britischen Admirals im Ruhestand.
Im achten Jahr hat Jürgen Bingel nun auch einen Speise-Spielplan im Tournee-Programm. Da proben die Ensembles nicht für Auftritte in Stadt- und Turnhallen, sondern für Shows in Hotels und Schlössern. „Der Markt hat sich sehr verändert“, sagt der Theater-Unternehmer, der früher als Impresario die Tourneen anderer Bühnen organisiert hat. Dieses Geschäft gehe ebenso zurück wie das Gastspiel-Gewerbe mit bekannten Schauspielern aus Film und Fernsehen.
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Jürgen Bingel Archivfoto: Günther Jockel

Ungebrochen laufe hingegen das Tour-Theater für junge Zuschauer. „Möglichst unverfälscht und originalgetreu“ sollen die Produktionen laut Prospekt sein. Für Bingel ist sein Job dabei mehr Arbeit als Kunst, er weiß aber, dass er seine Teams herausfordern muss: „Wir schauen: Wo gibt es Nachfrage, was finanziert den Laden? Da müssen wir eine Balance finden, Schauspieler brauchen ja künstlerisches Futter.“ Also finden sich im Verkaufsprospekt neben Grimms Märchen und „Hui Buh“ auch Shakespeares „Othello“ in einer Fassung für einen Schauspieler und einen Musiker und ein Stück über den Hitler-Attentäter Georg Elser.
Wenn der Kunde es bezahlt, dann lässt Bingel aber auch Theater auf Bestellung einstudieren. „Ab einer bestimmten Zahl von Vorstellungen produzieren wir kleinere Sachen“, sagt Bingel, der sein Theater als Dienstleistungsbetrieb beschreibt. Und dort ist der Intendant ein Logistik-Künstler, der Tourneepläne straff inszenieren muss – von Darmstadt durch Deutschland und auch nach Österreich und in die Schweiz.

 
 
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