Das Staatstheater ist in Darmstadt nicht zu übersehen, das zumindest zweitgrößte Theater der Stadt kennt hingegen kaum einer – weil es versteckt in einem Gewerbegebiet liegt und weil es dort keine Heimspiele hat. Seit über 20 Jahren gibt es „Theater auf Tour“.
Traditionell bringt der Darmstädter Tourneetheaterbetrieb von Renate und Jürgen Bingel Kinder- und Jugendstücke zu den Zuschauern im deutschsprachigen Raum. Für diese Zielgruppe sind 31 Produktionen im Angebot, elf davon sind für 2012/13 neu angekündigt. Wobei bei mangelnder Nachfrage Stücke auch zurückgezogen werden können. Sieben Ensembles mit 50 Schauspielern und Technikern sind hierbei mit bis zu anderthalb Tonnen Material pro Gastspiel in Transportern unterwegs zur nächsten Bühne.
Vor sieben Jahren begann das Geschäft mit den Dinner-Krimis: Mehrgang-Menüs mit detektivischem Begleitprogramm. Dieses Event-Format boomt, bis zu zwölf Ensembles mit insgesamt über hundert Schauspielern sind in der Hauptsaison pro Abend unterwegs. 1200 Auftritte in 160 Hotels und Schlössern listet die Verwaltung auf. Ab 2012 gibt es Dinner-Kabarett und Dinner-Musical als neue Menü-Programme. Rund 20 Mitarbeiter koordinieren im Darmstädter Betriebsbüro den Tourneefahrplan. Auf zwei Probebühnen im erstaunlich weiträumigen Komplex einer ehemaligen Kleiderfabrik werden in Darmstadt Bühnenstoffe entwickelt;die mit 800 Quadratmetern größere Spielfläche liegt in einem 4000-Quadratmeter-Raum. Kostüme, Requisiten, Bühnenbilder entstehen in eigenen Werkstätten.
Im Darmstädter Fundus lagern nicht nur die rund 500 Kostüme des Tourbetriebs, sondern insgesamt weit über 5000 Kostüme. Auf einer Fläche von 7500
Quadratmetern findet man im Fundus, wie auf einem gut sortierten Flohmarkt, alles – von Haushaltswaren über eine Discokugel bis zur Holzwiege, vom Käse aus Styropor über das Pappmaché-Baguette bis zur faltbaren Himbeertorte aus Stoff.
Aus Darmstadt für Deutschland: Theater auf Tour
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