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07. Februar 2012  | Von Charlotte Martin

„Zehn kleine Negerlein“: Machtgier ist ein schlechtes Vorbild

Hopjes-Jugendtheater – Agatha Christies Stück in einer ungewöhnlichen Variante

| Vergrößern | Theaterparty mit tödlichem Ausgang: Szene aus „Zehn kleine Negerlein“ im Hoffart-Theater mit (von links) Peter Sies, Rosa Judt, Marlene Stark und Hannah Wachter. Foto: Veranstalter
DARMSTADT. 

Promiparty im Hoffart-Theater: Sekt perlt in den Gläsern, Kameras surren. Stefan Raab (alias Ullu) und die US-Modezarin Anna Wintour (Marlene Stark) begrüßen acht Gäste, die es faustdick hinter den Ohren haben. So beginnt die neue Inszenierung des Jugendtheaters „Hopjes“. „Zehn kleine Negerlein“ heißt das Stück, das auf einem Kriminalroman von Agatha Christie basiert: Es geht um Schuld und Gerechtigkeit, um die Frage, ob Mord das Böse auslöschen kann. Die „Hopjes“ und ihr Regisseur Klaus Lavies spielen das Prozedere des Tötens makaber durch.
Zwischen 15 und 17 Jahre alt sind die Schauspieler, seit Jahren stehen sie auf der Hoffart- Bühne, nun sind sie ins Abendprogramm vorgerückt. „Die Rache eines Wahnsinnigen nachzuspielen, wie der Roman es vorgibt, schien uns zu platt. Wir haben die Schuldfrage ins Heute katapultiert und überlegt, welche Prominenten schadhafte Botschaften transportieren und zerstörerisch agieren“, erklärt Lavies am Rand der Premiere. „Machtgier gibt ein fatales Vorbild ab“, resümiert er die Erkenntnis der Akteure.
Die Inszenierung entwickelt sich temporeich zum todbringenden Desaster. Als Bischof Mixa (Jakob Wolff), Modemagnat Karl Lagerfeld (Janis Storch), Poplady Nadja Benaissa (Rosa Judt) und die US- Republikanerin Sarah Palin (Leonie Fliess) selbstverliebt vor Raabs Kamera posieren, sind sie Gefangene des mörderischen Spiels. Klasse, wie sich die Darsteller die Charakteristik der Promis angeeignet haben. Die Schuld der Einzelnen machen parallel authentische Videos deutlich: Bischof Mixa rechtfertigt handgreifliche Fürsorge für Messdiener, Karl Lagerfeld lassen hungernde Models kalt, Sarah Palin fordert Freiheit der Waffen, und Nadja Benaissa markiert die Unschuld vom Lande. Die Videos bündeln das Grauen.
Grandios agiert dazu Leonie Fliess als beinharte Sarah Palin, brillant ist die Darstellung von Peter Sies als Clown Ronald McDonald. Höhnisch wird am Hoffart-Buffet geschlemmt – Darsteller und Publikum kommen in Kontakt. Bischof Mixa alias Jakob Wolff knabbert Chips in scheinheiliger Kutte: „Ich bin ein Mann Gottes.“
In Wahrheit geht’s teuflisch zu, der Schlinge des Todes entkommt keiner: Lästerkönig Stefan Raab erstickt im Maschendrahtzaun, Nadja Benaissa geht der Atem unterm Riesenkondom aus. Mixa erliegt gezielten Schüssen, Karl Lagerfeld seinen Lügen. Am Ende haben die „Zehn Negerlein“ auf der Klaviatur des Lebens ausgespielt. Kräftiger Applaus gilt Regie und Darstellung, die Thematik des Stücks wird zur Premierenfeier heiß diskutiert.

Informationen über Aufführungstermine und Tickets unter www.hoffart-theater.de.

 
 
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