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23. Januar 2012  | Von Claudia Schülke

„Liebesspiel“: Ehelicher Abgesang

Schauspiel – ABC der Beziehungen: Lars Noréns Drama in den Frankfurter Kammerspielen

| Vergrößern | Leiden an der eigenen Unentschiedenheit: Constanze Becker in „Liebesspiel“. Foto: Birgit Hupfeld
FRANKFURT. 


Was hier geschieht, ist so typisch, dass sich Namen erübrigen. A (Till Weinheimer) und B (Constanze Becker) sind seit 17 Jahren miteinander verheiratet. C (Andreas Uhse) und D (Birte Leest) seit acht Jahren. A will ein Haus kaufen und ein zweites Kind produzieren, B ist aber mehr an C interessiert und trennt sich von A. D will ein Kind adoptieren, weil sie mit C keines zustande bringt, aber das kleine Mädchen aus Vietnam stirbt, und D trennt sich von C. Als B ein Kind von C erwartet, lässt sie es abtreiben.
Die Bühne der Frankfurter Kammerspiele sieht aus wie ein Spielbrett: Auf dem hölzernen Plankenboden gähnen allerlei Versenkungen, in denen die Schauspieler auf- und absteigen. Mit einer Stehlampe links hinten und einem Sofa rechts vorn hat Bühnenbildner David Gonter das Zuhause beider Ehepaare markiert. Hinten im Zentrum überragt ein Baumhaus auf Pfählen die gesamte Szenerie: Dort haust das einsame Kind, ein kleines prototypisches Monster in weißem Kapuzenumhang mit Teddyohren.
Der schwedische Bühnenautor Lars Norén setzt mit 23 Momentaufnahmen seine Obsession für Ehe- und Beziehungskonflikte in der Tradition von August Strindberg und Ingmar Bergman fort. Alexander Frank, seit 2009 Regieassistent am Frankfurter Schauspiel, hat unter dem Titel „Liebesspiel“ die deutsche Übersetzung von Katja Hagedorn erstaufgeführt. Er nimmt das makabre Spiel mit der Liebe ernst: Schwarzer Humor bringt das Publikum immer wieder zum Lachen, obwohl das, was sich da abspielt, gar nicht komisch ist.
Trostlos klingt schon die Sprache. Diese Menschen haben sich nichts mehr zu sagen, Schablonen und Worthülsen verhindern echte Kommunikation. Ein stereotypes „Ich weiß nicht“ ist vor allem B vorbehalten: Constanze Beckers Ehebrecherin, die an sich und ihrer Unentschiedenheit leidet und bis zuletzt nicht weiß, warum sie mit ihrem Ex zur Familienberatung geht. Oder war er da noch ihr Mann? Die Chronologie löst sich auf, die Zeitebenen schieben sich ineinander so, wie sich die Beziehungen verschränken.
Die banale Alltagssprache kaschiert Gefühle, die sich nur ausnahmsweise Bahn brechen, wenn etwa der düpierte A seine B anschreit und sich gleich wieder für den Verlust seiner Contenance entschuldigt. Till Weinheimer spielt einen vorbildlichen Familienvater, Andreas Uhse einen empfindsamen Liebhaber, der zwischen seiner spießigen Gattin und seiner dumpfen Freundin eingeklemmt wirkt. B und D sind eine Strafe für jeden Mann: Birte Leest und Constanze Becker beglaubigen das bis zur bitteren Neige. Das Publikum war begeistert vom ehelichen Abgesang.

Informationen über Aufführungstermine und Tickets unter www.schauspielfrankfurt.de.

 
 
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