E-Paper | Mobil | Newsletter | RSS RSS
 
 
| |
 
SUCHE: | Erweiterte Suche |
 
| Suchen |
 
 
 
03. Januar 2012  | Von Stefan Benz

„Kunst“: Gruppenbild in Weiß

Schauspiel – Das Heidelberger Stadttheater zeigt Yasmina Rezas Kammerspiel

| Vergrößern | Drei Freunde in Rage: Marc (Olaf Weißenberg, von links), Yvan (Steffen Gangloff) und Serge (Stefan Reck) verzanken sich angesichts eines sehr teuren, sehr weißen Gemäldes. Foto: Klaus Fröhlich
HEIDELBERG. 


Ist das die Inflation oder der Boom am Kunstmarkt? Als Yasmina Reza (52) im Jahr 1994 ihren ersten internationalen Theatererfolg feierte, da hatte der Arzt Serge für sein Bild gerade mal 200 000 Francs bezahlt – umgerechnet 60 000 Euro. Im Theaterkino der Städtischen Bühnen Heidelberg ist nun von 200 000 Euro die Rede. Regisseur Thomas Goritzki treibt den Preis nach oben, und mit ihm steigt der Streitwert an diesem Abend.
Ein kleines Vermögen für einen großen Namen. „Ein Antrios“ ist es für Serge, ein Nichts für Marc. Und ein persönlicher Affront: Der Serge, den er stets schätzte, hätte sein Geld nicht so elitär rausgeworfen. Nun spuckt Marc Hohn und erwartet von Serge Selbstironie. Derart unversöhnlich prallen die beiden aufeinander, während ihr gemeinsamer Freund Yvan, der doch bloß beschwichtigen und versöhnen will, zwischen ihnen zerrieben wird.
Das ist von Yasmina Reza wirkungsvoll angelegt und von Thomas Goritzki rund um ein rotes Ledersofa präzise umgesetzt. Fast zwei Stunden dauert die Aufführung. Man kann „Kunst“ gewiss knapper spielen, aber so konzentriert, wie das Heidelberger Trio zu Werke geht, so wohldosiert hier Klamauk die Wortklauberei auflockert, braucht es keine Eile. Diesen Schauspielern hört man gerne zu, wie sie ihre Dialoge ineinander verkeilen, bis es wehtut.
Stefan Reck spielt den Kunstfreund als Asketen mit weißen Stoffhandschuhen. Serge ist der Provokateur, der nicht viel sagen muss, um seinen Freund zu empören. Es braucht aber auch nicht viel, um Marc überschäumen zu lassen. Olaf Weißenberg verkörpert ihn als bacchantischen Choleriker, der Geschmack daran findet, sich mal grob, mal spitzfindig in einen Menschenfeind zu verwandeln. Als Pathetiker der enttäuschten Freundschaft ist Weißenberg in Heidelberg der Spielmacher; 1998 am Staatstheater Darmstadt hatte er im selben Stück noch die Rolle des Yvan inne.
Diesen Papierhändler, der die Nichte seines Chefs heiraten soll, zeigt Steffen Gangloff als tief verunsicherten Melodramatiker. Dass er gute Freunde braucht, ist keine Frage. Bei Serge und Marc kann man da nicht ganz so sicher sein. Nur eins scheint gewiss: Wenn diese drei alten Weggefährten sich heute zum ersten Mal treffen würden, wüssten sie wohl nicht, was sie miteinander anfangen sollen. Yasmina Reza versöhnt sie dennoch. In der netten Geste steckt eine traurige Pointe, die sich in Heidelberg wie ein Schatten vor weißer Leinwand abzeichnet.

Informationen über Aufführungstermine und Tickets unter www.theaterheidelberg.de.

 
 
BEWERTUNGEN
  •  
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel zu bewerten. | Anmelden |
Dieses Thema kann nicht kommentiert werden.

 
Veranstaltungskalender
 
Veranstaltungskalender
Ihre Termine in ganz Südhessen für Kultur und Kunst, Märkte und Feste, Party und Clubs.
 
| Mehr |
Wetter: Heute | Morgen |
 
Morgens Mittags Abends
 
 
Darmstadt aktuell:
wolkig, 27°C | Mehr Wetter |
... ... ...
 
ANZEIGE
ECHO-LESERREISEN
Frühsommer am Gardasee Sonderzugreise mit dem Classic Courier
| Mehr |
Abo
 
Mini-Abo Genießen Sie die Berichterstattung zur Fußball-EM. Nutzen Sie außerdem Ihre Chance auf 1 von 8 ...
Mehr |
 
 
 
SCHON GESEHEN?
 
 
ANZEIGE