Die „Beatles“ singen „Can’t buy me love“, bevor noch der Vorhang aufgeht. Die Weisheit, dass Liebe nicht gekauft werden kann, ist Jim Watt gewiss nicht fremd. Der Londoner Manager braucht ja auch keine Liebe, sondern nur eine Ehefrau, die er dem sittenstrengen Boss aus den USA präsentieren kann. In seiner Not engagiert er die Putzfrau Edna, für einen Abend die Gattin zu spielen. Eine Frau mit großer Klappe und Mutterwitz steht im Mittelpunkt des neuen Stücks, das die Darmstädter Komödie Tap ihrem Publikum serviert: „Kein Job für Sünder“ bietet Gelegenheit zur saftigen Typenkomödie, und Annette Schneider spielt sie temperamentvoll aus. Das Stück des Briten Edward Taylor verlangt gerade für diese Rolle eine starke Besetzung: Schneider schenkt ihrer Edna einen frechen Berliner Tonfall, und wenn sie von der Kittelschürze in den Minirock schlüpft, steigt die Stimmung.
Das entschädigt dafür, dass Taylors Stück keine sehr raffinierte Versuchsanordnung aufbaut. Die Verwirrung wird so zielstrebig wie übersichtlich arrangiert, aber die Absehbarkeit der Ereignisse mindert den Spaß nicht. Benjamin Rollmann spielt mit Charme den chronischen Junggesellen, der die Charakterprüfung seines Chefs zu überstehen sucht. Vor allem im zweiten Teil ist die Heiterkeit groß, denn gerade dann, wenn die Geschichte um die aufgedonnerte Putzfrau sich zu erschöpfen scheint, ist die Situationskomödie an der Reihe. Denn zwei weitere Frauen sind eitel genug zu glauben, dass Jim sein Problem ohne sie nicht lösen kann. Stephanie Meisenzahl spielt die muntere Freundin Helen, die morgens noch beleidigt auszieht, um abends mit neuem Kleid als Ehefrau wieder zu erscheinen, und Sandra Walter überrascht in der Rolle der Terri Pringle: Das Büro-Mauerblümchen führt ein Doppelleben – in der Firma ist sie so akkurat und unscheinbar wie ihr Hosenanzug, abends schlüpft sie in das entfesselte Vergnügen einer Nackttanz-Theatergruppe, und wenn sie auftaucht, um mit diesem Talent den Chef zu retten, ist die Verwirrung komplett.
Der dramaturgische Trick besteht darin, dass die Teilnehmer dieses Reigens nie gleichzeitig auf der Bühne zu sehen sind, wozu viele Türen sowie lange Aufenthalte in Bade- und Arbeitszimmer herhalten müssen. Denn der Gast aus den USA muss ständig an den Computer, um irgendwelche Aktien zu handeln. Seine Mitgliedschaft in der „Gesellschaft gegen den moralischen Frevel“ verträgt sich nämlich ausgezeichnet mit skrupellosen Börsengeschäften, und auch im reichlichen Alkoholgenuss kann dieser Patriarchenwitz, den Oliver Lemki mit heruntergezogenem Mundwinkel auf die Bühne bringt, keinerlei moralischen Frevel erkennen. Die Frau an seiner Seite ist mit Inka Schmietendorf von aufgekratzt fröhlicher Natur.
Tap-Chef Dieter Rummel spielt diesmal nicht selbst mit, sondern konzentriert sich darauf, das muntere Ensemble durch den Aberwitz dieser Handlung zu führen. Seine Inszenierung im Bühnenbild von Anne Barcal ist straff genug, um die Pointen zielgenau setzen zu können, und lässt doch den Schauspielern genügend Freiheit, der Lust am Spiel eine spontane Note zu geben. So lassen sich zweieinviertel kurzweilige Stunden verbringen, wenn man bereit ist, noch weniger als sonst nach einem Rest von Wahrscheinlichkeit zu fragen.
Informationen über Aufführungstermine und Tickets unter www.die-komoedie-tap.de.
„Kein Job für Sünder“: Heitere Moralprüfung
Lustspiel – Die Darmstädter Komödie Tap spielt ein Stück von Edward Taylor
DARMSTADT.
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