,,Und, wer war's?" Diese Frage geht am Samstagabend durch die Reihen im ausverkauften Theater Mollerhaus in Darmstadt, als das Publikum zu Beginn der zweiten Halbzeit langsam wieder seine Plätze einnimmt. Das Theater Profisorium spielt ,,Fünf Frauen und ein Mord", eine Krimikomödie der britischen Schriftstellerin Gladys Heppleworth. Die Zuschauer haben bereits gut 50 turbulente und verwirrende Minuten hinter sich. Auch Inspektor Edward Hollister (Winnie Schramm). Der ermittelt in einem Todesfall auf dem Anwesen der Familie Heartstone. Malcolm, Hausmeister und scheinbar zugleich Schürzenjäger, stürzte die Treppe hinunter und brach sich das Genick. Schnell wird dem Kriminologen klar, dass der verhängnisvolle Sturz kein Unfall gewesen sein kann. Doch an den fünf Damen des Hauses beißt sich der Inspektor die Zähne aus.
,,Es ist wie ein großes Puzzlespiel", muss sich Edward Hollister eingestehen, denn jede der Damen hat eine andere Erklärung für den Todessturz parat. Das viktorianische Anwesen entpuppt sich als Weiber-Tollhaus. Und die führen den Kriminologen genüsslich vor, der zwar hartnäckig seine inquisitorischen Fragen stellt, mit seinem Pferdeschwanz und in seinem viel zu großen Trenchcoat allerdings immer auch ein bisschen unbeholfen wirkt.Eine der harten Nüsse ist die Gutsherrin Marguerite Heartstone selbst. Ulla Beer spielt die Dame des Hauses mit aristokratischer Eleganz, die in ihrem eng anliegenden schwarzen Kleid die unnahbare Unterkühlte spielt. Doch sie kann auch eine echte Furie sein, dann erinnert ihr belehrender Duktus an den von Witta Pohl als Mutter Drombusch. Eine moralische Instanz ist sie allerdings nicht, mit Bestechung und sexuellen Anspielungen versucht sie Edward Hollister zu ködern.Töchterchen Jane (Tanja Maria Bender) sieht Geister, die für den Tod Malcolms verantwortlich sein sollen. Wie eine Kreuzung aus Alice im Wunderland und Cyndi Lauper sieht sie aus in ihrem roten Kleidchen mit den weißen Strümpfen und dem schief sitzenden Dutt. Mit Schulmädchen-Charme möchte sie die Sympathie des Inspektors gewinnen. In Widersprüche verstrickt sich das Personal: Gesellschafterin Vera Ratow (Christina Kondriniewicz) gesteht Annäherungsversuche Malcolms und dass sie ihn in Notwehr gestoßen habe, Hausdame Mrs. Worthing (Ewa Wolff) hat eine weitere Variante parat.Dann bricht das Chaos aus: eine Dame nach der anderen gesteht, nicht nur ein Verhältnis mit Malcolm gehabt zu haben, sondern auch, ihn ermordet zu haben, um im nächsten Augenblick eine der vier anderen zu belasten. ,,Lauter wild gewordene Weiber, die sich gegenseitig an die Gurgel gehen", muss Inspektor Hollister schließlich resigniert feststellen. Die Bombe lässt schließlich Hausmädchen Ruby (Nurcan Yildiz) platzen: Sie ist schwanger von Malcolm und gesteht ebenfalls, ihn getötet zu haben. Großartig und sehr komisch spielt Nurcan Yildiz die verklemmte, devote und labile Untergebene mit quäkender Stimme und herrlich verzogener Mimik. Damit stiehlt sie den anderen Darstellern die Schau und erhält dafür laute Lacher und Zwischenapplaus. Ihre Beichte soll noch lange nicht das Ende für Hollisters Ermittlungen sein.Informationen über Aufführungstermine und Tickets unter www.theatermollerhaus.de .
Merken
|













