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08. März 2010  | Von Johannes Breckner

„Die Maus“: Eine Maus lehrt Lebensfreude

Frauen mögen Wüstlinge: Die Darmstädter Komödie Tap spielt ein Stück von Philip King und Falkland L. Cary

| Vergrößern | Ein begehrter Kollege ist Mister Bloome, seit er unter dem Verdacht steht, eine fremde Frau belästigt zu haben. Das Szenenfoto aus „Die Maus“ in der Darmstädter Komödie Tap zeigt (von links) Erika Best, Dieter Rummel und Stephanie Meisenzahl. Foto: Günther Jockel
DARMSTADT. 


Einmal wird Mister Bloome gefragt, ob er denn keine Angst vor dem Gefängnis habe. Kein bisschen, antwortet er. Die Polizei werde es mit einer augenzwinkernden Ermahnung gut sein lassen. Es geht ja auch nur um ein Kavaliersdelikt; Bloome soll nächtens in eindeutiger Absicht eine Frau verfolgt haben. Selbst beim Opfer paart sich Empörung mit Stolz darauf, zum Ziel eines sexuell motivierten Angreifers zu werden. Für die Damenwelt wird die graue Büromaus Bloome durch den Verdacht zum erotischen Wunschkandidaten, und dass der Vorgesetzte sich um den Ruf der Abteilung Gedanken macht, ist eher mit Neid zu erklären als mit der Frage nach der Moral.

Die Komödie ,,Die Maus" wurde 1966 uraufgeführt: Die Welle der sexuellen Revolution war gerade angerollt, von der nachfolgenden Welle eines Feminismus, der männliche Sexualität unter den Generalverdacht der Aggression stellte, war noch keine Rede. In dieser Situation wagten die Autoren Philip King und Falkland L. Cary den satirischen Blick auf die Doppelmoral einer prüden Gesellschaft. Schon mehrfach hat das Darmstädter Tap diese Komödie gespielt, früher unter dem etwas plumpen Titel ,,Sexfieber". Die neue Inszenierung im fünfzigsten Jahr der Darmstädter Boulevardbühne ist eine hübsche Anspielung auf die Zeit des Beginns: Der Wandkalender weist das Jahr 1960 aus, und der Bühnenbildnerin Anne Uhlig dürfte bei der detailverliebten Ausstattung des Büros die Retro-Mode geholfen haben - die Formen und Farben von damals sind auch heute wieder aktuell.

Dieter Rummels Inszenierung, deren Premiere am Freitagabend das Publikum erkennbar vergnügte, beginnt mit der Erinnerung an die Swinging Sixties: Noch bevor ein Wort gesprochen wird, hat Stephanie Meisenzahl mit einem Twist-Solo die erste Charme-Offensive schon gewonnen. Und ähnlich fröhlich geht es weiter. Wieder spielt Dieter Rummel die Rolle des Bernard Bloome, der ein Arbeitsleben lang unter seinem Kollegen Price Hargraves leidet. Dabei gelingt dem Regisseur und Hauptdarsteller ein neuer Blick auf diese Situation: Ein Außenseiter rückt in den Mittelpunkt, und das Vergnügen, das er dabei empfindet, lässt den Grund ganz nebensächlich werden. Bloome könnte seinen Ruhm auch aus einem Lottogewinn beziehen oder einem gewonnen Cricket-Turnier. Rummel spielt den lebenslang Benachteiligten, der kindliche Freude daran empfindet, endlich einmal Oberwasser zu bekommen. Aus dem Hinterhalt setzt er seine leisen Pointen, und er schenkt dem Gemütsmenschen auch im Slapstick noch Tiefe.

Und so erzählt die jüngste Inszenierung dieser Komödie die Geschichte eines Mannes, der seine Mitmenschen verwandelt. Erika Best lässt die altjüngferliche Kollegin Miss Spencer aufblühen, Patrick Koch tänzelt als Lehrling Hopkins noch mal so beschwingt durch die Geschäftsräume, Inka Schmietendorf lässt bei Lady Chesapeake die Standesschranken sinken, während Stephanie Meisenzahl von Anfang an schon jeder schlechten Laune trotzt und auf diese Weise die neue Büro-Generation verkörpert. Am längsten widersetzt sich Price Hargraves, den Oliver Lemki mit cholerischer Wucht in die Büroschlacht ziehen lässt.

So vermittelt das gut aufgelegte Ensemble nichts weniger als die sehr menschenfreundliche Botschaft, dass es eine Alternative gibt zum grauen Alltag. Ein anderes Leben ist möglich: Plötzlich zieht Freude ein ins Büro, und nach zwei unterhaltsamen Stunden ist man sicher, dass sie auch nicht wieder ausziehen wird. Angst vor der Polizei muss Bloome bei dieser Gute-Laune-Offensive schon gar nicht haben.


Informationen über Aufführungstermine und Tickets unter www.die-komoedie-tap.de.

 
 
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