Am Ende des großen Gelages stülpt sich Katharina Uhland eine rote Clownsnase über und hält eine Wutrede über den Witz. Dass sie und ihre Mitspieler Anne Hoffmann und Stefan Schuster in roten und blauen Kostümen auch vorher schon nicht Männer und Frauen bei einer Party, sondern Narren in einem absurden Konversationsstück sind, daran lässt die neue Inszenierung an der Theaterbar der Darmstädter Kammerspiele keinen Zweifel.
„Bier für Frauen“ ist eine ebenso lose wie belanglose Sammlung von Zitaten im Zustand nachlassender Steuerungsfähigkeit. Solch eine Vorlage könnte man zum Anlass für naturalistische Studien von Lallen und Torkeln nehmen: eine feuchtfröhliche Verlachkomödie zum Fremdschämen. Die Autorin selbst schreibt dazu in ihren Nonsens-Regieanweisungen: „Auf der Bühne darf kein Bier getrunken werden (…) Es soll was anderes gemacht werden.“ Daran hält sich die Regie. Diese Inszenierung hat null Promille und beweist: Man kann auch ohne Alkohol lustig sein.
Wenn diese drei Narren des Smalltalks irgendwelche Rauschmittel zu sich genommen haben, dann nicht Bier, sondern Ecstasy. Der Gleichgewichtssinn ist nicht vernebelt, das Sprachzentrum übererregt. Sie plappern prestissimo ohne Emphase, wie man das so ähnlich aus dem Schnellsprech-Poptheater des René Pollesch kennt. Hier allerdings birgt der Wortschwall kaum Erkenntnis. Absackende Logik trifft aus überschießende Assoziationskraft.
An Sprach- und Sinn-Substanz hat „Bier für Frauen“ ja nicht viel zu bieten. Das Trio quasselt über braune Flecken im Schlüpfer, Sex mit Leonard Cohen und Blasenüberdruck. Wenn der Inhalt derart in die Hose geht, kommt’s auf die Form an. Das hat Judith Kuhnert schlau erkannt und verleiht dem haltlosen Text Struktur und Rhythmus.
Mit zugehaltener Nase tauchen die Schauspieler unter dem Tresen der Theaterbar durch, klopfen gegen die Neonröhren an der Decke, aus denen immer neue Spielutensilien fallen. Je nach Musikeinspielung rennt einer mal zur Tür hinaus oder alle vor eine Überwachungskamera an der Decke. Und wenn die Fete vorbei ist, verschwinden sie in einer Wandnische hinter einer Jalousie, die sich zur nächsten Party wieder hebt.
Es ist ein Reigen ohne Sinn und Ziel. Zwischendrin klärt das Trio wortreich und sinnlos die großen Fragen des Party-Existenzialismus: Passiert wieder nix? Verpassen wir was? Die Antwort gibt das Stück selbst: „Hier spricht doch keiner mehr, hier werden nur noch Sprüche gemacht.“ Wer das durchweg als süffigen Schwips spielen will, riskiert beim Zuschauer Kopfweh. An der Darmstädter Theaterbar aber behalten die Clowns einen klaren Kopf, und der Witz bleibt schön trocken.
Informationen über Aufführungstermine und Tickets unter www.staatstheater-darmstadt.de.
„Bier für Frauen“: Nonsens mit null Promille
Schauspiel – Plappern auf der Party an der Theaterbar der Darmstädter Kammerspiele
DARMSTADT.
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