Als Robert Putzinger als Phantom der Oper das erste Mal zum Gesang anhebt auf der Bühne im Darmstadtium, erfüllt gespannte Stille den Saal. Was für ein schöner, runder Bariton. Auch seine Partnerin Christine, gesungen und gespielt von Stefanie Wesser, singt das Lied vom Engel der Musik mit anrührender Helligkeit. Das Problem ist im hochmodernen Darmstädter Kongresszentrum ein akustisches. Wer in den vorderen Reihen sitzt, hört die Opernstimmen viel lauter als die Musicalstimmen, die nicht so füllig sind und eher über die Tonanlage in höchster Höhe in den Saal transportiert werden, über die vorderen Reihen hinweg.
Das ist ein rein technisches Dilemma. Ein anderes haben die zwei jungen Damen in der ersten Reihe, die sich schon nach der ersten Viertelstunde fassungslos in ihren Sitzen windend fragen, wo ihre ganzen Lieblingslieder bleiben. Diese Schwierigkeit rührt daher, dass für Musical-Fans seit 1986 „Das Phantom der Oper“ synonym ist mit dem Musical des Komponisten Andrew Lloyd Webber, das als eines der weltweit erfolgreichsten gilt.
„Das Phantom der Oper“ gastiert heute (Freitag) in der Aschaffenburger Stadthalle,
am Dienstag (10.) im Mannheimer Rosengarten, jeweils 20 Uhr.
Die Produktion der Central Musical Company im Darmstadtium stammt dagegen von Arndt Gerber (Komposition) und Paul Wilhelm (Songs). Sie beruht ebenfalls auf dem Schauerroman von Gaston Leroux aus dem Jahre 1909: Der schrecklich entstellte Erik verbirgt sein Gesicht unter einer Maske und sich selbst in den Kellergewölben der Pariser Oper, von wo aus er seine Intrigen spinnt. Er verliebt sich in die junge Chorsängerin Christine, die zunächst glaubt, Erik, als Phantom der Oper bekannt, sei der Engel der Musik, den ihr Vater ihr prophezeit hatte. Das Phantom versucht, Christine als Solistin durchzusetzen, mehrere Menschen müssen sterben. Die Handlung kulminiert, als das Phantom eifersüchtig wird auf Christines Verehrer Raoul.
Die von Regisseur Manfred W. von Wildemann besetzten Stimmen sind schön, doch zunehmend selten zu hören. Dominiert wird das Stück eher vom klamaukenden Operndirektor Moncharmin (Hans-Jürgen Zander) und dem schrulligen Polizei-Inspektor Fauve (Roger Leonhard), die der Aufführung über weite Strecken die Atmosphäre eines Boulevardstücks verleihen.
Befremdlich ist, dass das angekündigte Ballett aus vier Damen besteht, die genau einmal eine Choreografie darbieten, einen Can-Can. Das Bühnenbild, das aus per Videobeamer projizierten Bildern besteht, ist zu minimalistisch, um das Publikum in die Handlung hineinzuziehen. Die Bühne wirkt karg, das kann auch die Kapelle nicht wettmachen. Nach der Pause ist die Zahl der Zuschauer bereits merklich dezimiert, verhaltener Applaus am Ende. Und die beiden jungen Damen in der ersten Reihe ärgern sich vor allem, dass sie für den Abend zusammen 140 Euro bezahlt hatten. Dafür hatten sie mehr erwartet.

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