Das Spektakel, das der Sänger, Schauspieler und Kabarettist Michael Quast und sein Pianist und Mit-Sänger Rhodri Britton am Samstag im Staatstheater Darmstadt auf die Bühne brachten, zeigte die Geschichte von Orpheus, der dem Hades seine Eurydike abtrotzt, um sie erneut zu verlieren. Doch nimmt sich der Plot in der Fassung von Quast und Rainer Dachselt unromantischer aus und zeigt in zwei Stunden komödiantisch verpackt dessen schmuddeliges Unterfutter.
Quast und sein Kompagnon bearbeiteten in der Tradition von Karl Kraus Jacques Offenbachs Mythentravestie „Orpheus in der Unterwelt“. Sie führen uns ein verkrachtes Paar vor, einen nur an seine Karriere denkenden Orpheus, der seine ganz und gar nicht geliebte, ewig frustriert quengelnde Eurydike nur um der gefühlsseligen Schlagzeilen willen aus dem Hades führt. Die überhaupt nicht göttlichen Olympier, in der Finanzkrise vom Ruin bedroht, mischen in Gestalt des unappetitlichen, großspurigen Krisengewinnlers Pluto und des als Schmeißfliege lüstern umherschwirrenden Sparfuzzis Jupiter kräftig mit.
Mehr als Tisch, Stuhl und Flügel brauchen Quast und Britton nicht, um eine ganze Operette auf die Bühne zu zaubern. Singend, tanzend, klimpernd und fiedelnd setzt das Duo Himmel und Hölle in Bewegung. Vom Can-Can bis zum Chanson und zurück zeigt es seine hohe Kunst der Leichtigkeit. Eine Operette für zwei Stimmen? Mitnichten! Man sieht und hört in diesem Wunderwerk eines Illusionskünstlers den ganzen Personenreigen, das Paar, die Götter, den Chor, die Statisterie, den Inspizienten, ja, ein ganzes Orchester – und wer sie nicht gesehen und gehört hat, ist nicht wirklich dabei gewesen.
Offenbach für zwei
Operette: Michael Quast und Rhodri Britton begeisterten das Darmstädter Publikum
FRANKFURT.
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