Es sind die Kinder, die diese Vorstellung zu dem machen, was sie ist. Der große Saal im Darmstadtium, der mehr als 1500 Sitzplätze bietet, ist am zweiten Weihnachtsfeiertag sehr gut besucht. Ganze Familienverbände sind gekommen, um das Popmusical „Cinderella“, eine Show von „On Air Production“, anzuschauen, Großeltern, Eltern, Kinder. Überall sitzen sie, die Kleinen mit den Kulleraugen, Ringellöckchen; ein ganzer Saal voller Samtschleifen, Lackschuhen und Sonntagskleidern in Miniaturgröße, die wie gebannt auf die Bühne starren. Durch ihre Augen wird diese Show zum Ereignis.
Dort steht die Kulisse eines alten Hauses wie aus einem alten Disney-Zeichentrickfilm, die sich aufklappen lässt wie ein transportables Polly-Pocket-Puppenhaus (Bühne: Michael Haufe). Und auch die Darsteller auf der Bühne sind wie zu Lebensgröße erwachte Polly-Pocket-Püppchen.
„Cinderella“, das ist das Brüder-Grimm-Märchen vom armen Aschenputtel, das von den zwei Stiefschwestern und der bösen Stiefmutter misshandelt wird. Aber in dieser Version heißt Aschenputtel Cindy (Hanna Kastner) und hat einen enormen Zuwachs an Freunden zu verzeichnen. Es sind eben die Zeiten von Facebook, wo das sehr schnell geht, und dies ist eine ziemlich heutige Aschenputtel-Version. Also hoppeln, piepsen und pupsen Maus Piwi (Christina Schulz), Hund Jallo (Daniel-Erik Biel), Taube Ruckediguro (Sebastian Römer), Stinktier Stinky (Christian Petru) und Igel Freddy (Daniel Dimitrow, der auch Aschenputtels Vater und den König gibt) um Aschenputtel herum und fordern immer wieder das Kinderpublikum auf, lauthals mitzumachen. Das ist übrigens ein guter Trick, um die Aufmerksamkeit der Kinder zwei Stunden lang zu binden, so können die Kleinen sich auch lockern, wenn es mal ein bisschen zu spannend wird. Denn auch in der modernen Version des Aschenputtel geht es wie in Märchen üblich ganz gut zur Sache. So zerreißen die bösen Schwestern Chantal (Helen-Swantje Wecker) und Cynthia (Sandra Gehrmann) Cindy das rosa Kleid, mit dem sie auf den Ball gehen will. Dieses ist übrigens ein Höhepunkt der Entwürfe von Monika Heuberger und Sandra Jürgens. Aus rosa Satin mit Puffärmeln und Riesenvolant lassen sich daran Bahnen von Röllchen festkletten, die aussehen wie eine Kreuzung aus Zwiebelringen und Marshmallows sowie diverse pinkfarbene Fellapplikationen. Und dieses Outfit, das Cindy aussehen lässt wie einen monochromen Christbaum, lässt sich eben auf der Bühne auch wieder in seine Einzelteile zerrupfen. Großartig.
Die Lieder (Texte: Thomas März) sind einfach genug für die Kinder zum Mitsingen, die Texte frech genug, um auch die Erwachsenen zu amüsieren. Wobei man sagen muss, dass der größte Schlager das Duett der bösen Schwestern „Was will die denn?“ ist. Aber das Salz in der Suppe waren in der Märchenwelt schon immer die Bösewichter. Die Moral dieser Geschichte bringt erst die Mehrfachbesetzung zutage: Christian Petru ist erst Stinktier, dann Prinz, was zu einer Show, in der lustig gepupst wird, ja auch irgendwie passen will.
Märchen aus dem Puppenhaus
Popmusical – Wenn der Prinz auch Stinktier ist: „Cinderella“ begeistert die Kinder im Darmstadtium
DARMSTADT.
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