Wie ein Märchen wolle er Puccinis letzte Oper auf die Bühne bringen – so hatte es Regisseur Cesare Lievi per Zeitung angekündigt. „Ein Märchen ist eine Gattung, in der alles plötzlich passiert“, so der Italiener, „ohne die Frage nach dem Warum.“ Diese Überzeugung scheint ihn geleitet zu haben. Mit plakativen Bildern, knalligen Farben und folklorisierenden Kostümen kommt seine „Turandot“ daher. Doch vieles wirkt nahe an den üblichen China-Klischees. Eine inhaltliche Durchdringung des Stoffes sieht anders aus, von einer subtileren Zeichnung der Charaktere am kaiserlichen Hof zu schweigen. Vieles scheint auf Effekt angelegt – ein riesenhaftes Schleifrad für den ebenso riesigen Säbel, Wackel-Buddhas aus Pappmaché – und bleibt daher an der Oberfläche des Dramas.
Musikalisch hat diese Aufführung umso mehr zu bieten. Sehr feinfühlig arbeitet das Orchester unter Leitung von Wolfgang Ott die klangschönen Details und Motive Puccinis heraus. Stark auch der von Anton Tremmel einstudierte Chor, der zudem szenisch überzeugend agierte.
Beeindruckend schließlich einige der Stimmen, die hier zu erleben sind. Mit glockenhellem, klarem Timbre verleiht Lydia Easley der Sklavin Liú eine bewegende Stimme – wenn auch stellenweise zu leise. Und die Minister Ping, Pang und Pong brachten überzeugende Komik ins Spiel.
Informationen über Aufführungstermine und Tickets unter www.oper-frankfurt.de.
„Turandot“: Im Märchenland
Puccinis Oper in neuer Inszenierung am Staatstheater Wiesbaden
WIESBADEN.
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