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17. November 2011  | Von Siegfried Kienzle

„Eva“: Verliebt in den Juniorchef

Märchenhaft und ironisch: Das Staatstheater Mainz zeigt Franz Lehárs Operette

| Vergrößern | Eva-Rolle: Vida Mikneviciute in Lehárs Operette. Foto: Martina Pipprich
MAINZ. 



Ein Mädchen aus der Fabrik bandelt mit dem Juniorchef an. Die Arbeitskollegen wittern, dass die kleine Eva nur zum erotischen Zeitvertreib des Unternehmers dienen soll. Sie nehmen die moralische Instanz in die eigenen Fäuste und donnern gegen das Liebesnest. Doch Eva entscheidet sich für ihren Kavalier, gewinnt Liebe, Glück und zuletzt den Ehering.
Nein, das ist keine Schmonzette aus dem Fernsehen von heute, sondern stammt aus dem Jahr 1911 und vom Operetten-Großmeister Franz Lehár. Mit seiner „Eva“ griff er zu einem sozialkritischen Stoff und wählte als Vorlage „Die Haubenlerche“ von Ernst von Wildenbruch, die den Klassenkampf aufs Theater brachte.
In Mainz wagt die junge Regisseurin Cordula Däuper die Ausgrabung und verpackt diese Aschenputtel-Story vom Arbeiter-Gänschen im grauen Overall, das sich mausert zum strahlenden Schwan, in märchenselige Naivität und viel gepfefferte Ironie. Wenn die Figuren eintauchen in ihre gold’ne Wunschwelt, wird im Lichtwechsel die Realität ausgeblendet. Als Lebenstraum schwebt deren tote Mutter wie eine „Traviata“ durch den Raum. (Bühne: Jochen Schmitt). Zum Happy-End wird sich Eva in dieses Luxusweibchen verwandeln.
Bei all dieser Rührseligkeit rücken die Nebenfiguren, das komödiantische Buffo-Paar erfrischend ins Zentrum und werden zum Motor des Abends. Die leichtlebige Pipsi gibt sich als verfolgte Unschuld aus, um zielsicher das Scheckbuch ihrer jeweiligen Gönner anzusteuern. Tatjana Charalgina singt mit leuchtendem Sopran und serviert ihre Frivolitäten mit augenzwinkernder Leichtigkeit. Auch ihr Partner, der verliebte Tollpatsch Dagobert, ist bei Thorsten Büttner ein spielfreudiger tenoraler Glanzpunkt des Abends.
Für das Liebespaar sind allzu schwere Stimmen aufgeboten. Alexander Spemann agiert spielerisch erfreulich als Luftikus, belädt aber den Gesang mit wuchtigem Pathos. Vida Mikneviciute in der Titelrolle pendelt mit einigen Schärfen in den Spitzentönen und viel Vibrato zwischen Kratzbürste und der Sucht nach Luxus.
Dirigent Sebastian Hernandez-Laverny bringt Lehárs süffige Ohrwürmer, die Arabesken von Geige und Harfe, die schmachtenden Verzögerungen wie die schmissigen Beschleunigungen solide über die Runden. So ist für einen unterhaltsamen Theaterabend in der fünften Jahreszeit von Mainz gesorgt.

Informationen über Aufführungstermine und Tickets unter www.staatstheater-mainz.de.

 
 
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