Jetzt wirbelt sie wieder: Sissi, Kaiserin der Herzen, fegt als unzähmbarer Locken- und Trotzkopf über die Bühnen der Republik. Im Advent tanzt, singt und leidet sie melodramatisch schön unter der Kuppel der Jahrhunderthalle in Frankfurt-Höchst. Denn dort spielt mal wieder „Elisabeth”, das erfolgreichste deutschsprachige Musical, wie es heißt.
„Elisabeth” tritt hier in Bestbesetzung an, mit Annemieke van Dam, der viel gelobten Musical-Sopranistin, die mit ihrer Rolle inzwischen unverbrüchlich verbunden scheint. Junges Glück und spätes Leiden, Härte gegenüber dem eigenen Sohn und Raffinesse im Dauerduell mit der kaiserlichen Schwiegermutter: All das spielt sie mit mitreißender Energie. Und wenn sie ihre hymnischen Selbstfindungsarien singt („Ich gehör’ nur mir”), dann spenden die mehr als 2000 Besucher mächtig Szenenapplaus. In Pop-Tenor Mark Seibert, der einen blonden Tod spielt, ordentlich über Bühne und Rampe turnt und dabei kraftvoll tremoliert, hat sie einen starken Bühnenpartner.
Harry Kupfers Uraufführungs-Inszenierung hat nichts von ihrem Drive verloren. Im Gegenteil. Manche der schönen Ohrwurm-Melodien, zwischen Pop und Operette verortet, hätte man gern noch ein wenig länger mitgesummt oder gar musikalisch ausgebreitet gehört. Aber das Prinzip dieser „Elisabeth”-Show ist und bleibt die Rasanz. Da werden im Drei-Minuten-Takt – die Dauer eines üblichen Radio-FFH-Hits – pittoreske Bühnenelemente rein- und schnell wieder rausgerollt. Betten, Regierungszimmer, ein ganzes Wiener Kaffeehaus; Letzteres rotiert mitsamt der üblichen Wiener Herumhocker und Grantler in Kirmeskarusselltempo über die Bühne, unter großem Gefuchtel und Gejohle, und dann kommt schon wieder die nächste Ballade.
Bis 18. Dezember täglich außer montags in der Jahrhunderthalle. Tickets: 01805 3601240.
Knapp drei Stunden lang ziehen Orchester (Laptops, Keyboard und eine Handvoll tapferer Kammermusiker) und Ensemble dieses Tempo durch. Das kann man kurzweilig finden oder auch ermüdend. Dass die Charaktere trotz der Dauer nur Scherenschnitte bleiben, das ist im Musical wohl so. Der verstockte Kaiser, seine garstige Mutter, die grell geschminkte Verführerin: In einem Kindermärchen sähe das auch nicht anders aus. Und wenn die Marionetten-Offiziere aus dem k.u.k.-Hofstaat tanzen, dann bewegen sie sich eben wie – Marionetten, schon verstanden. Dazu hört man dann eine hübsch dissonante Zirkusmusik, die abgründig wirken soll, irgendwie. Tom Waits bekommt so etwas schon etwas eleganter und tiefgründiger hin in seinen Musical-Kompositionen. Aber der ist US-Musiker. Und „Elisabeth” eben ein deutsches Musical. Die Premierengäste feiern dessen Stars mit lautstarkem Jubel.

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