Sie gilt als personifizierte Saarländerin, wenngleich sie erst im Alter von 14 Jahren ins Saarland kam. Als „Vanessa Backes“ war Alice Hoffmann am Samstag mit neuem Programm im Halbneun-Theater. Aus dem Blickwinkel einer provinziellen angejahrten Kleinbürgerin in Kittelschürze nimmt sie den Alltag aufs Korn. Zudem unterzieht sie das Weltgeschehen einer satirischen Inventur. Heraus kommt gewaltiger humoristischer Mehrwert. Das Publikum im ausverkauften Halbneun-Theater amüsiert sich über so manchen beabsichtigten Versprecher der leicht tüttelig daherkommenden Frau Backes. Da spricht sie ins „Mikroskop“ und bezeichnet Wladimir Putin als „Pudding“. Frappierend ist die Beiläufigkeit und scheinbare Naivität, mit der Hoffmann ihre Pointen setzt und zu ihren Exkursen über das Leben der kleinen Leute ansetzt. Man wähnt sich eher bei einem angeregten Plausch an einem Sonntagnachmittag im gemütlichen Café denn bei einer abendfüllenden Kleinkunstveranstaltung.
Spaßig gerät auch die trotz aller Komik letztlich anrührende Geschichte der nach langer Ehe geschiedenen Vanessa, die den Unbilden des Lebens mit unerschütterlichem Optimismus trotzt.
Für ihr fast zweistündiges Programm erntet Alice Hoffmann tosenden Applaus und entledigt sich in der Zugabe ihrer spießigen Oberbekleidung. In wenigen Minuten gelingt ihr zu wummernder House-Musik glaubwürdig die Metamorphose vom ältlichen Hausmuttchen zur Femme Fatale, die heftig ihre lange rote Mähne schüttelt. Ihren betörenden Striptease schließt sie mit einem formvollendeten Spagat ab.
Spagat einer Spießerin
Kabarett – Alice Hoffmann begeistert im Halbneuntheater
DARMSTADT.
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