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07. März 2011  | VON BETTINA BERGSTEDT

Humor ohne Helau

Kleinkunst: Rainer Bauer empfängt beim 36. Mollerkoller im Darmstädter Theater Mollerhaus eine Liedermacherin, einen Zauberkünstler und ein A-cappella-Quintett

| Vergrößern | Zarte Töne, wenig Text: Susanne Piesker singt ihre Lieder am Samstag bei Rainer Bauers „Mollerkoller“. Foto: Günther Jockel
DARMSTADT. 




„Wie, niemand verkleidet?“ fragte Rainer Bauer zum Auftakt seines 36. Mollerkollers im Mollerhaus am Samstag in den voll besetzten Publikumsraum. Nein, bei seinem Kleinkunstabend handelte es sich deutlich um eine fastnachtsfreie Zone. Nur Michael Dibo mischte am Keyboard zunächst ordentlich auf, wenn er über „Im Märzen der Bauer“ improvisierte. Da geriet das schlichte Volkslied zum Reggae oder zum Hard Rock, wozu der Gastgeber und Schauspieler Bauer, wie stets im korrekten Anzug, sich bis zur Hüftverrenkung an der Luftgitarre verbog.
Zuerst aber ging es um die bevorstehenden Kommunalwahlen, bei denen 71 Stimmen „kumuliert und panaschiert werden sollen – wissen Sie, wie das geht?“ Bauer machte auch auf die brandaktuellen Themen des Wahlkampfes aufmerksam, auf eine Lochpolitik rund um Finanz-, Haushalts- und Straßenlöcher und auf Risse im Wörnersteg, der ersten Plexiglasbrücke überhaupt, die über den Schlossgraben führen würde, wäre sie nicht gesperrt, und nach drei Jahren bereits zum Sanierungsfall geworden ist. Dazu Bauers konstruktiver Vorschlag: Plexiglas auch als Abdeckung für die offene Rinne des Darmbachs.
Träumerisch und ein wenig die Zeit vergessend präsentierte sich der erste Gast, Susanne Piesker, am Klavier bei Kerzenschein. Ihre „Lyrischen Lieder“ mit wenig Text, aber ausladenden, sich wiederholenden, minimalistischen Ausführungen am Instrument hatten einen deutlich melancholischen Ton. Mit leiser Stimme besang sie metaphernreich verlorene Lieben mit Worten wie „Wolken verschwinden wie die Erinnerung an Dich“.
„Eine gewagte Nummer an Fasching“ resümierte Rainer Bauer und leitete über zum nächsten Gast, dem Zauberer Radalou, der in seinem Auftreten eher einem sympathischen Professor glich als einem geheimnisvollen Magier. Tatsächlich präsentierte er seine Künste, die der Telepathie und Hypnose, gerade deshalb besonders eindrucksvoll, weil er sie seinem Publikum zu erklären versuchte. Radalou versetzte kurzerhand zwei willige Zuschauer in Hypnose und ließ sie hellseherisch Phänomene erkennen, die unserer Erfahrungswirklichkeit zu widersprechen scheinen.
Nach der Pause gab es dann, ganz ohne „Helau“, auch noch eine ordentliche Portion Humor. Die „Guyz-n-Dollz“, eine A-Cappella-Band aus Neu-Isenburg, bestehend aus zwei Frauen und drei Männern, bestach durch ihre gekonnten, dynamischen Adaptionen bekannter Lieder, wie die deutsche Übersetzung des „King of the road“, die „Spielerfrauen“ von „Basta“ oder den „Prinzen“-Song „Mein Hund ist schwul“ – sehr witzig.
Bobby McFerrins Hit „Don’t worry be happy“ gewann eine besondere Note, weil das gesamte Publikum begeistert mitschnipste und nach mehr als zwei Stunden Programm zumindest den Refrain aus voller Kehle mitsang.

 
 
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