DARMSTADT.
Termine
„Varieté extra“ ist noch drei Mal zu erleben: am Freitag (18.) und Samstag (19.) um 20.30 Uhr sowie am Sonntag (20.) um 19 Uhr. Vorverkauf beim Darmstadt-Shop im Luisencenter, Kartentelefon: 06151 538040; Internet: www.varieteextra.de.
Clown Dado klatscht in die Hände und wirft Konfetti: Begeistert feiert er sich selbst wie ein Kind, dem ausgeklügelter Schabernack geglückt ist. Der Kanadier Daniel Warr ist als Charakterclown ein Mann mit Buckel, der mit unbeholfenen Trippelschritten daher kommt, ein schrulliger Kindskopf, der das Publikum im ausverkauften Kulturzentrum Bessunger Knabenschule begeistert.
Iris Daßler und Rainer Bauer haben am Freitag die Premiere des zwölften „Varieté extra“ eröffnet: ein exzellentes Potpourri von Komik, eleganter Akrobatik und Jonglage. Trotz angespannter Finanzlage sei es erneut gelungen, namhafte Künstler der Kleinkunst- und Straßentheaterszene einzuladen, sagen die Organisatoren dazu, und Applaus bezeugt ihnen wie allen Helfern, darunter Matthias Woernle und Hannes Volk, die für eine reibungslose Technik sorgen, Respekt.
Dann entfachen die Artisten ein kunstvolles Feuerwerk der Lebensfreude. Allen voran Clown Dado, der mehrfach als Possenmacher zur Bühne drängt. Er schließt die Herzen auf: Simple Einfälle, tapsig und enthusiastisch dargeboten, entzücken das Publikum. Argloser Singsang, Piepsstimme und kindliche Laute begleiten die bewegende Pantomime. Dodo lässt Luftballons quietschend zur Decke steigen, stülpt einen Gummihandschuh über den kahlen Schädel und pustet ihn auf, dass die Finger sich zum Hahnenkamm aufrichten. Schelmisch grinsend nimmt er den Applaus entgegen. Mit einer Flöte, die er mittels Schlauch am Ballonhandschuh auf dem Kopf verbindet, intoniert er Dudelsackmusik - das Publikum lacht und applaudiert hingerissen.
Durchs Programm führt der Brite Luke Wilson, ein charmanter Spaßmacher, der beiläufig mit Kartentricks und leichthändiger Jonglage brilliert. In gut dosierter Mischung aus Ansage und Show gewinnt der grazile Mann mit igeliger Beckham-Frisur schnell die Sympathien. Erstklassig ist die Show des Nürnberger Jongleurs Matthias Romir, der synchron zur Jonglage auf Videoleinwand traumhaft sicher die Bälle rotieren lässt. Untermalt von elektronischer Musik, posiert Romir auf der Leinwand vor trister Industrielandschaft. Mit gewandter Jonglage im Vordergrund der Bühne entsteht eine faszinierende Doppelwelt. Bravorufe werden laut.
Eine zweite Darbietung inszeniert der Künstler als surreale Traumsequenz. Auf Videoleinwand lässt der Schläfer die Augäpfel im Rhythmus schwebender Bälle rollen, Musik gibt den Rhythmus vor für schlafwandlerisches Spiel mit Hut, Brille und Bällen. Anmutig ist die Schlusssequenz, in der Romir mittels angewinkeltem Knie, roter Clownsnase, Jackett und Melone eine Clownspuppe kreiert. Unter seinen flinken Händen scheint sie zum Leben zu erwachen und dem Jongleur zu assistieren.
Das Duo Nik und Valentina aus Berlin zelebriert Paarakrobatik als flirrenden Flirt. Gewandt umschmeicheln sie einander mit Kunststücken, als gehorchten sie der Schwerelosigkeit der frisch Verliebten. Petra Lange imponiert mit einer akrobatischen Performance rund um Tisch und Schreibmaschine, die einer sinnsuchenden Pantomime gleicht. Innere Bewegtheit des Tastens nach Sprache übersetzt sie in Balance. Poesievoll geht es hoch in den Lüften zu: Erna Sommer zeigt tänzerische Akrobatik in der Luftschaukel. Anmutig, als räkele sie sich in einer heimeligen Hängematte, windet sie ihren Körper um die Seile. Romantische Musik und der sonnengelbe Lichtkegel, der ihre Bewegungen schattenhaft an Decke und Wände malt, veredeln das feenhafte Schauspiel.

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