Ein Abend, der mit der anhaltenden Beleidigung des Publikums, des Veranstaltungsortes und der Gemeinde beginnt, kann nicht ganz schlecht sein. Schließlich machten die beiden Spötter vor dem Altar bei sich selbst nicht Halt. Seit 22 Jahren stehen Fabian Vogt, Ex-HR-3-Radiopfarrer, Musiker, Sänger und Schriftsteller, und sein Kollege Martin Schultheiß am Keyboard auf der Bühne. Die Routine im Umgang mit dem Publikum und dem Timing merkt man den Künstlern stets an.
Zwar wiederholen sich innerhalb der kirchlichen Thematik zwangsläufig Themen wie die ewigen Reibungen zwischen den beiden Konfessionen, das undankbare Ehrenamt oder überspitzt formulierte Vorschläge für die Aufwertung von Gottesdiensten. Doch das Frankfurter Duo behandelt sie mit sarkastischem Blick und Selbstironie.
So witzelt Vogt zunächst über seinen Schwiegersohn-Haarschnitt, um später mit offenem Hemd den harten Rocker zu mimen. Zugleich bedauert der stimmgewaltige Seelsorger im Text, dass alle seine Groupies längst über 60 seien.
Musikalisch bewegt sich das Repertoire zwischen Country, Soul, Blues und Balladen. In der Eröffnungsnummer wünscht sich das „Duo Camillo“ einen zweiten Himmel für Kabarettisten, da es im Jenseits humorlos zugehe und Spötter unerwünscht seien.
Stilgerecht treten Schultheiß und Vogt hierbei mit Cowboyhemden und -hüten auf. Doch innerhalb der Pointenflut ist gleichfalls Platz für melancholische Passagen. An der Gitarre plädiert Vogt für eine Veränderung in kleinen Schritten. Es genüge schon, nur für einen Tag sein Leben umzustellen, erklärt er. Dabei gelingt es nach leichten Anlaufschwierigkeiten sogar, das Publikum zum Mitsingen und -klatschen zu animieren.
Von Witzen über private Beziehungskonflikte schwenkt Schultheiß über zum ewigen Beziehungsstress von Protestanten und Katholiken. Die Fehde führt er darauf zurück, dass die Kirche immer noch Angst vor Veränderungen habe.
An den Karneval in Münster erinnert dagegen manche Pointe über die Nachbarsgemeinde Eppertshausen, die „Slums von Münster“, und den anwesenden Bürgermeister Walter Blank. Ihr stetes Faible für Wortspiele mündet in anhaltenden Seitenhieben von Münsters blanken Kassen über „Blankfurt“ als neuen Ortsnamen bis zur Polonaise Blankenese.
Als Beweis ihres Improvisationstalents komponieren Schultheiß und Vogt als Zugabe ein neues Lied, wobei sie sich zuvor vom Publikum ein Dutzend Münsterer Begriffe zurufen lassen. Der finale Song „Der Aufzug im Hallebad dudd nit“ funktioniert reibungslos und sorgt für mehrfachen Zwischenapplaus.
Christen im ewigen Beziehungsstress
Kleinkunst – „Duo Camillo“ wünscht sich in Münster einen Himmel für Kabarettisten
MÜNSTER.
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