„Ich verstehe mich als Multi-Tasker der Kleinkunstszene. Was ich mache, ist mir ernst“, sagt Rainer Bauer (52). Komisch zu wirken, ohne witzig zu sein, ist das Markenzeichen des nahezu konservativ brav anmutenden Mannes. „Ich bin freischaffender Künstler, nicht lohnabhängig. Ich bin Organisator und Moderator – ob ich Schauspieler bin, weiß ich nicht. Ich habe keine Ausbildung, schauspielere aber“, fährt er fort.
Beim ECHO-Gespräch im Mollerhaus-Foyer fragt er galant: „Kaffee oder Tee?“ und schon lacht man, als habe er einen Scherz gemacht. Für Momente wirkt Rainer Bauer wie ein beflissener Butler, obwohl wir hier nicht auf der Bühne sind. Oder doch? „Die Realität ist lustiger als das, was man sich ausdenken könnte“, sagt Bauer. Was er tut und sagt, wirkt stets improvisiert, in Wahrheit aber ist der Mann stets gut vorbereitet.
Beim 40. Mollerkoller am 7. Januar (Samstag) um 20.30 Uhr sind Iso Herquist, ein „Ukulele spielender Lümmeldäne“, Matthias Romir, Nürnberger Meisterjongleur sowie Magic Udo mit Comedy zu Gast. Karten: 06151 26540 oder karten@theatermollerhaus.de
„Improvisation ist eine Kunst. Sie will gelernt sein“, sagt er. Der Grenzgänger zwischen verschiedenen Genres benennt sein künstlerisches Credo mit den Worten „spontan – skurril – minimalistisch“. Das Zucken der Augenbraue genügt, um Worte bedeutungsvoll aufzuladen, seine Gestik pointiert sparsam, Kostümierung erübrigt sich.
Trägt er Alltagsjackett oder ist dies das Bühnenoutfit seines Soloprogramms als biederer Herbert Faulhaber? Rainer Bauer sagt: „Eine Rolle muss Charakter haben. Sie muss nicht witzig angelegt sein, der Witz kommt von allein. Herbert Faulhaber ist ein heimeliger Mensch, der seinem Beamtendasein frönt. Ich schlepp ihn seit Jahren mit mir herum, nehme ihn jetzt auch mit in den 40. Mollerkoller. Da interviewt Rainer Bauer Herbert Faulhaber.“
Geboren in Coburg, aufgewachsen im Ambiente der elterlichen Gastwirtschaft („Das war meine Schule des Sehens“), sei er ein „künstlerischer Spätstarter“, sagt er. „Es gab die schöpferische Ader, ich sah aber keinen Weg. So wurde ich Verkäufer für Farben und Tapeten.“ Man hört es, muss lachen: Ist das ein Witz? Nein: Es ist das Leben.
Der Zivildienst führte Bauer in den Werkhof Darmstadt, woraus 1988 die Straßentheaterformation „Zivi on the Road“ entstand. Sie tingelten durch Süddeutschland. Ein Theaterkurs nahe Barcelona verfestigte die Gewissheit: „Meine Liebe gehört dem Straßentheater. Es gibt keine Eingangsschwelle, der Kontakt zum Publikum ist unmittelbar.“ Konsequent verfolgte er, was ihn verfolgte: Projekte körperbetonten Theaters, Tanz und Performance, Pantomime und Clownerie bei selbst gewählten Lehrern gaben ihm das Rüstzeug. Seit 25 Jahren spielt er – teils Soli, teils in Gruppen. Zugleich ist er zweiter Vorsitzender des Verein der freien Kulturszene Darmstadt, hat die Stadt durch Veranstaltungen internationaler Artistik, des Varietés und der Zauberei bereichert.
Längst haben „Mollerkoller“, das Straßentheaterfestival „Just for Fun“ sowie die Absolventenshow der Artistenschule Berlin als künstlerisches Dreigestirn Renommee über die Grenzen der Stadt hinaus. Bauer, der leidenschaftliche Organisator, sagt: „Ich verstehe mich als Netzwerker. Ich muss nicht vorne stehen, nicht sagen: Ich bin wichtig. Nur an bestimmten Punkten. Sonst geht man als Künstler baden.“

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