Es fing eigentlich banal an. Dem Komponisten John Cage fehlte für eine Aufführung das nötige Schlagzeug, und so beschloss er, dem Klavier durch Präparation die benötigten Klänge abzuringen. Vor dem Konzert bei den Tagen für Neue Musik in Darmstadt erläuterte Vera Di Domênico, was sie mit den von Cage vorgeschriebenen Messingschrauben, Bolzen, Plastik- und Gummihaken im Inneren des Flügels alles angestellt hatte. Das Ergebnis täuscht ein ganzes Schlagzeug-Ensemble mit Klavier vor. Da klingen Gongs und Glocken durch, die große Trommel wird im Bass erzeugt, kleine Trommeln finden sich neben dem Xylophon. Ans Cembalo möchte man glauben oder auch an gezupfte Saiten. Und das Klavier kommt auch noch vor. Ansätze von einfachen Liedern sind zu hören, und in der 12. Sonate folgt das Klavier fast klassisch majestätisch, tonleiterartig klingt es in der 13. Sonate.
Cage beschrieb für seine „Sonatas and Interludes“, welche Emotionen er damit beschwören wollte. Nicht immer sind Erotik, Heldenhaftigkeit, Komik, Charme, Hass, Wut, Angst, Trauer und Gelassenheit für den klassisch-europäisch sozialisierten Zuhörer, der hier mit indischer Philosophie konfrontiert wird, nachvollziehbar. Aber es ist das Wesen der Musik, dass eigene Assoziationen erlaubt sind.
Die brasilianischen Pianistinnen Lilian Nakahodo und Grace Torres lieferten eine spielfreudige und musikantische Interpretation. Bravorufe und lang anhaltender Beifall drückten die Freude der Zuhörer über den anregenden Abend aus.
Schlagzeug im Flügel
DARMSTADT.
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