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23. Juli 2011  | Von Heiko Weigelt

Packende Verse und krachende Riffs

Rap ’n’ Rock: „Wortblind“ präsentieren zum Tourauftakt in Darmstadt ihr Debütalbum

DARMSTADT. 




Vor vier Jahren formierte sich, hervorgegangen aus einer Abi-Band, die südhessische Gruppe „Wortblind“ und gewann mit ihrem ersten Auftritt gleich den Bandwettbewerb des „Live On Stage“-Festivals in Weiterstadt. Am Donnerstag lud das Quintett in das Darmstädter „603qm“ zum Auftakt seiner „Wenn der Staub sich legt“-Tour und präsentierte dort erstmals das gleichnamige Debütalbum.
Noch während die Vorband „Inhuman“ aus Dreieich das Publikum mit melodischem Indie-Rock einstimmt, finden die ersten Exemplare ihren Käufer. „Es ist vollbracht“ ruft einer davon und reckt die neu erworbene CD wie eine Trophäe in die Höhe. Sechzehn Stücke sind auf dem Erstlingswerk, die treibenden Rock mit Sprechgesang kombinieren und durch außergewöhnliche deutsche Texte überzeugen. Songs, die auch live zünden, wie „Wortblind“ bald darauf beweisen.
„Großartig, dass so viele gekommen sind“ begrüßt Rapper „Sorrow“ (Stephan Zimmermann aus Weiterstadt) die über hundert Besucher, und schon beim ersten Lied springt der Funke über. Die Menge groovt mit zum Crossover-Sound aus krachenden Gitarrenriffs, pumpenden Bass- und Schlagzeugrhythmen und packenden Raps, singt textsicher einige Zeilen mit, wenn das Mikro in den Saal gerichtet wird. „Wie heißt der Song zu unserem neuen Video?“, will „Sorrow“ wissen, und „Schocktherapie“ schallt ihm als Echo entgegen. „Zeit für Schocktherapie, vielleicht lernt ihr’s doch, zum Frühstück im Bett servier’ ich einen Pferdekopf“ lautet der Refrain, und die Besucher rocken dazu dicht gedrängt vor der Bühne.

Doch es sind nicht nur geradlinige Mitgeh-Nummern, mit denen „Wortblind“ punkten; bisweilen mogelt sich auch ein Hauch von entspanntem Swing ins Programm oder manch emotionale Ballade, wie das besonders gelungene „Bleib en bisschen“.
„Wer hätte das gedacht, wir sind Stars über Nacht“ rappt „Sorrow“ dann zu groovenden Funk-Rhythmen, um das Glück am Songende als Albtraum vom gierigen Produzenten zu erkennen, und: „Vielleicht werden wir Stars, doch bestimmt nicht über Nacht.“ Warum und wie „Wortblind“ das große Ziel erreichen kann, erklärt er an anderer Stelle: „Ich hab’ immer hart gekämpft, hab’ mich immer angestrengt. Nie etwas geschenkt, immer 100 Prozent.“

 
 
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