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24. Dezember 2012  | Von Susanne Döring

Entspannte Dynamik

Weihnachtskonzert – Vibrierende Barocktöne in der Ludwigskirche

DARMSTADT. 


Als Jorin Sandau vor seine Musiker tritt, scheint alles um ihn herum zu vibrieren: das Orchester, der Chor und die Solisten, ja sogar die Luft. Der Dirigent wippt leicht in den Knien und ist hoch konzentriert bei der Sache selbst in den Momenten des vorweihnachtlichen Konzerts von „Vocalensemble Darmstadt“ und „Camerata Ludoviciana“, in denen es nicht viel zu dirigieren gibt, weil Solisten und Continuo-Gruppe ihr Können in Eigenregie vorführen. Diese Agilität von Sandau führt aber keineswegs zu Nervosität oder Hektik.
Große Ruhe strahlt der Anfang von Vivaldis „Magnificat“ aus, geradezu genussvoll setzt sich der Chorklang der langsamen Einleitung, des „Et misericordia“ und des „Gloria Patri“, breit in den Kirchenraum. Auch wenn bei diesem Werk die Virtuosität den Solistinnen vorbehalten bleibt, zeigen Chor und Dirigent im Detail ihre Kunst: Da stimmt einfach der Gesamtklang des Chores, dessen Sopran schön über den Dingen schwebt, und ein schwieriger Abschluss wie im „Et misericordia“ gelingt intonatorisch einwandfrei. Die beiden Solistinnen Rahel Maas (Sopran) und Beate Leisner (Mezzosopran) haben mit den Koloraturen in diesem Werk Hochleistungssport zu betreiben, der aber angenehm locker und unangestrengt daherkommt. Dynamische Feinheiten wie die Schwingung im „Esurientes“ oder das tänzerisch angegangene „Et exsultavit“ beleben das Geschehen ungemein, wie auch die kleinen Schlusskadenzen der beiden Sängerinnen, die zwar kunstvoll, doch nie überbordend geraten.
Der Abend in der Ludwigskirche ist geistlicher italienischer Barockmusik gewidmet. So umranden Vivaldis „Magnificat“ (RV 611) und dessen „Gloria“ (RV 589) zwei weitere Werke des 17. Jahrhunderts. In Corellis Weihnachtskonzert g-Moll, das kürzlich auch in der Darmstädter Stadtkirche zu hören war, überlässt Sandau Konzertmeister Ingo de Haas die Führung der Camerata Ludoviciana auf historischen Instrumenten. Wunderbar ergänzen sich hier die Violinen von de Haas und Monika Nußbächer-Opitz in ihrem lieblichen Klang, das Ensemble glänzt durch eine schöne Binnendynamik mit wundervollen Steigerungen und Echo-Wirkungen.
Als kompositorisch weniger überzeugend, aber hervorragend von Beate Leisner dargeboten, erweist sich Alessandro Scarlattis Weihnachtskantate „Oh di Betlemme“, deren Bemühen um eine stringentere Wort-Ton-Verbindung gegenüber Vivaldis Auszierungen ein wenig flach erscheint. Umso dankbarer erweist sich für Chor, Instrumentalisten und Solistinnen Vivaldis „Gloria“, das zusätzliche Brillanz durch den Einsatz von solistischer Oboe und Trompete erhält. Lang anhaltender Applaus zeigt die Zufriedenheit der Zuhörer in der gut besuchten Ludwigskirche.

 
 


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