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06. Februar 2012  | ade

Engelmanns Pointen

Konzerte – Die Tage für Neue Musik erinnern an den 2011 verstorbenen Komponisten

DARMSTADT. 


Noch mit fast 90 Jahren spielte er Jazz auf dem Klavier, weil es ihm Spaß machte. Die Musik ausschließlich als todernste Angelegenheit zu betrachten, war dem Komponisten Hans Ulrich Engelmann fremd. Während die musikalische Avantgarde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts meist einen großen Bogen um alles Heitere machte, stritt der Darmstädter in seinen Werken für eine Renaissance der Heiterkeit in der Neuen Musik. Dem Andenken des am 8. Januar 2011 verstorbenen Komponisten war am Freitag das Eröffnungskonzert der „Tage für Neue Musik“ in der Akademie für Tonkunst gewidmet.
Von einer besonderen rhythmischen Vitalität beseelt schien Engelmanns in den Jahren 1999/2001 komponiertes Werk „Olafs Blues“, das zum Konzertauftakt von dem Gitarristen Olaf von Gonnissen und der Pianistin Friederike Richter interpretiert wurde. Die klaren, leicht hingeworfenen Linien entfalteten trotz des äußerst sparsamen musikalischen Materials eine enorme atmosphärische Dichte.
Pointenreichtum, Witz und Esprit kennzeichneten das von Hans-Jürgen Höfele intonierte Fagottsolo „Modus“ aus dem Jahr 1993. Als „musique pour faire plaisir“ bezeichnete der Komponist sein 1980 entstandenes Divertimento für zwei Klaviere. In der packenden Interpretation von Björn Lehmann und Friederike Richter entwickelte das zwischen Romantik, Jazz und Barmusik changierende Stück feurige Intensität und luzide Klarheit. Scharfe Konturen wie zersplittertes Glas besaß das Klavierwerk „Cadenza“, dem die Pianistin Sabine Simon eine extreme Tiefenschärfe verlieh. Ein recht unorthodoxer Umgang mit den Gesetzen der Zwölftonmusik spiegelte sich in den von Olaf von Gonnissen dargebotenen „Mémoires à René Leibowitz“ wider. Nachtschwarze, abgründige Emotionen enthielt die 1983 geschriebene Trauermusik „Epitaph für einen imaginären Freund“, die der Trompeter Manfred Bockschweiger und die Pianistin Sabine Simon mit großer Ausdruckskraft aufbranden ließen.
Ergänzt wurde das facettenreiche, mit großem Beifall bedachte Programm von Passagen aus der Autobiografie des Komponisten, die Christoph Schwandt zwischen den Musikstücken vortrug.

 
 
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